Samstag, Oktober 1, 2022
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„Richtig Gas geben“

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Automobilrenn-Profi Dominique Schaak landet beim Saisonauftakt in Oschersleben auf den Rängen sechs und sieben. Reifenprobleme verhindern bessere Resultate. | Von Rudi Bartlitz

Die drei, vier Bussarde, die anfangs noch ruhig über den welligen Börde-Feldern kreisten, hatten recht bald genug und verzogen sich. Zu sehr kreischten drunten, auf der Motorsport-Arena vor den Toren von Oschersleben, an diesem Tag die hochgezüchteten Aggregate. Untrügliches Zeichen dafür, dass die Saison auf der nördlichsten Motorsport-Rennstrecke Deutschlands wieder begonnen hat. Auftakt-Event war am zurückliegenden Wochenende das „ADAC Racing Weekend“.

Für einen jungen Mann bedeutete dies allerdings mehr als nur den Aufgalopp eines neuen Sportjahres, sondern fast schon so etwas wie den Saisonhöhepunkt. „Oschersleben ist meine Heimstrecke und da möchte man natürlich immer besonders glänzen“, sagte Dominique Schaak, Magdeburgs einziger professioneller Automobil-Rennfahrer. Und weil das so ist, hatte er die Schar seiner Sponsoren (zu denen auch KOMPAKT Media gehört), Unterstützer und Freunde eingeladen, die wilden Jagden von der VIP-Lounge des Arena-Hotels aus luftiger Höhe zu verfolgen.

Und noch etwas war diesmal anders. Was den Adrenalinspiegel des 31-Jährigen zusätzlich in die Höhe schießen ließ: Die Läufe auf der 3,6 Kilometer langen Piste bedeuteten zugleich die Premiere für einen für ihn neuen Rennstall und für ein neues Auto. Beim Team handelt es sich um den „EastSide-Motorsport“-Stall aus dem sächsischen Crimmitschau. Und, fast wichtiger noch, erstmals in seiner über zehnjährigen Karriere sitzt Schaak hinter dem Lenkrad eines Mercedes; nachdem er bereits Rennversionen solcher Top-Marken wie Audi, Porsche und Ford über die Pisten europäischer Rennstrecken steuerte.

„Es stimmt“, bestätigte Schaak vor der Premiere, „einen Wagen mit dem Stern bin ich, zumindest im Wettkampf, noch nicht gefahren. Dabei handelt es sich hier um einen AMG GT4.“ Der Bolide, der im GTC (was für Gran Turismo Touring Cup steht, also Kategorie Tourenwagen) startet und über 476 PS Leistung verfügt, entwickelt eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 250 und 260 km/h. Die wahrscheinlich größte Umstellung sieht der Pilot – der Laie staunt – beim Lenkrad des Mercedes. „Es ist etwas komplizierter als beispielsweise das des Audi R8, in dem ich in der Vorsaison gesessen habe“, erläuterte er. „Einfach ausgedrückt: Besitzt der Audi acht Knöpfe, über die die verschiedenen Funktionen gesteuert werden, sind es beim Mercedes gleich deren 13.“

Doch nicht das Knöpfe-Allerlei sollte sich beim ersten Auftritt als, wenn man das bei einem Auto denn so bezeichnen kann, Achillesferse des Sterne-Wagens erweisen. Es waren schlicht die Reifen. „Unser Team ist in keinerlei Weise mit ihnen klargekommen“, gestand Schaak nach Passieren der Ziellinie. Dazu muss man jedoch wissen, dass Veranstalter ADAC neun Tage vor dem Start die Zulassungsbedingungen geändert hatte – ein Umstand, der in anderen Sportarten undenkbar wäre. In der Praxis bedeutete es, dass die als überlegen angesehenen Mercedes sozusagen ein Zusatzgewicht draufgebrummt bekamen. Und zwar in Form neuer Reifen-Parameter. Für die deutsche Edelmarke bedeutete dies, ärgerte sich Schaak, dass der nun zugewiesene Radstand, so der Pilot, „zur Folge hatte, dass das Auto bereits nach zwei Runden sichtbar an Leistung verliert“.

Und so erklärte sich wohl auch, warum der Magdeburger in den beiden Läufen der Veranstaltung – ein Ein-Stunden-Rennen und ein 30-Minuten-Sprint – am Ende auf den Positionen sieben und sechs einkam. „Darauf kann man in jedem Fall aufbauen“, macht er sich dennoch Mut. „Nicht vergessen: Im letzten Jahr bin ich hier in Oschersleben beim Auftakt noch im Kiesbett gelandet.“ Die mit 14 Biegungen kurvenreiche Strecke in der Börde tat ihr übriges. „Auf den Geraden konnten wir einigermaßen mithalten, in den Kurven nicht.“ Eine Platzierung um Rang fünf herum sollte laut Schaak trotzdem in den noch ausstehenden acht Wettbewerben (Lausitzring, Hockenheim, Nürburgring und das niederländische Assen) möglich sein.

Der Stimmung im eigenen Sponsoren-Lager taten die durchwachsenen Resultate (Eastside-Teamchefin Virginia Möckel über Funk zu Schaak: „Auf jeden Fall in die Punkte fahren, kein Risiko mehr eingehen.“) keinen Abbruch. Eher im Gegenteil. Als der Pilot sich nach dem Rennen zu den rund 100 Gästen gesellte, wurde er mit tosendem Beifall und Konfetti-Kanonen empfangen. Schon während des Rennens waren auf der VIP-Terrasse Dutzende „Domi-Fahnen“ geschwenkt worden. Zumal Schaak den Seinen anstatt eines vielleicht heimlich erhofften Podestplatzes trotzdem einen Pokal präsentieren konnte: Platz zwei im sogenannten Gentlemen‘s Cup, einer Wertung der Über-30-Jährigen. Man habe Dominique, tuschelten einige, die ihn schon länger kennen, schon befreiter lachen sehen …

Richtig lachen konnte er wieder, als das Gespräch auf die unmittelbar bevorstehende Geburt seines ersten Kindes kam. Freundin Mandy, die als Event-Managerin die Fäden bei der Sponsorenbetreuung trotz des avisierten Geburtstermins 22. April fest in der Hand hielt: „Den Auftakt haben wir gemeistert. Jetzt kann das Kind meinetwegen kommen. Vielleicht können wir dann 2045 hier eine neue Renn-Königin bewundern.“ Einer der ersten, der ihn nach den Rennen in den Arm genommen hatte, war übrigens Vater Andreas. Er war es, der einst auf der Kartbahn in Halle den Grundstein für die spätere Profikarriere seines Sohnes legte. „Gut gemacht, Junge“, strahlte er. Das sah Mutter Silke, wohl in Anbetracht der Wochenend-Bilanz, ein wenig anders. „Beim nächsten Mal“, rief sie ihm zu, „musst du richtig Gas geben …“

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