Römers Reich: Aus weniger wird mehr

An den Zapfsäulen haben Sie es sicher schon bemerkt. Mit den über Nacht zum 1. Januar angehobenen Preisen dürfen Sie nun für Ihren CO2-Ausstoß am Auto zahlen. Da fährt man endlich mit einem guten Gewissen durch die Landschaft. Beim Tanken haben wir in der Vergangenheit schon manche gute Schlacht geschlagen. Schließlich wurde schon seit 2000 ein Teil der Öko-Steuer für die Rentenkasse abgezweigt.

Mineralöl kaufen Sie aber nicht nur an der Tankstelle. Wer zu Hause nicht mit Holz oder Kohle, Erdwärme bzw. Sonnenenergie heizt, wird für die Wärme in seiner Wohnung ebenfalls auf Öl oder Gas zurückgreifen müssen. Vielleicht bemerken Sie es nur deshalb nicht, weil Ihr Haus am Fernwärmenetz hängt. Übrigens stehen in 42 Prozent aller Neubauten Öl- und Gas-Heizungen. Auch dieser Energieeinsatz für die Wärmeerzeugung ist neben der üblichen Mineralölsteuer zusätzlich mit der CO2-Abgabe belegt. Die Politik glaubt, dass die höheren Kosten bei Eigenheimbesitzern und Vermietern Anreize schaffen, in moderne Heizanlagen zu investieren, die weniger CO2 ausstoßen. Wahrscheinlich würden das insbesondere Vermieter irgendwann sowieso tun. Zum Beispiel, wenn die Investition abgeschrieben wäre oder ein Anlagentausch aus Altersgründen notwendig würde bzw. größere Reparaturen anstünden. Inzwischen werden die höheren Kosten für die Heizung auf die Nebenkosten der Miete umgelegt. Vermieter müssen gar nichts tun, sondern nur Ihre Wärmeabrechnung um die entsprechenden Beträge erhöhen. Stellen Sie doch im Winter einfach die Heizung ab. So können Sie die zusätzliche Abgabe umgehen und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz tun. Im Übrigen haben wenigstens die Pandemie-Maßnahmen einen gewaltigen Anteil zum Klimaschutz beigetragen. Deutschland hat 2020 nämlich die CO2-Emissionen um 80 Millionen Tonnen verringert. Damit läge der Wert des vergangenen Jahres 42,3 Prozent unter dem von 1990. Man könnte glauben, das Virus tut der Menschheit mehr Gutes als Schlechtes an. Ach so, der milde Winter hatte daran auch Anteil. Freuen Sie sich bitte nicht zu früh. Denn der CO2-Anteil in der Atmosphäre nimmt leider weiter zu. Eine wichtige Ursache dafür ist der teilweise regionale Temperaturanstieg. Höhere Steuern und weitere Einschränkungen scheinen aktuell wenig zu bewirken. Bedenken Sie bitte, dass meine Schlussfolgerungen hier nur eine Momentaufnahme sind und nicht für eine prophetische Politik taugen. Außerdem gibt es auf diesem Gebiet bereits so viele Experten, dass ich mit Prognosen nur ein weiterer Aufheizer am Klima-Himmel wäre. Und noch etwas: Laut Eigentümerverband Haus & Grund zeige die Praxis, dass energetische Modernisierung dazu führt, dass mehr statt weniger geheizt wird. Nutzer hätten wohl den Eindruck, sich anheimelndere Temperaturen leisten zu können. Der Mensch verhält sich halt gern paradox. | Axel Römer