Samstag, Oktober 16, 2021
Anzeige

Römers Reich: Ausgrenzung der Männer

Anzeige

Folge uns

In Sachen Gleichberechtigung muss noch einiges getan werden. Nach einer Erhebung des Portals Statista sagen das 69 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer. Natürlich muss täglich um Gleichberechtigung gerungen werden, und zwar in alle Richtungen. Wenn nur 11,4 Prozent der C4-Professuren Frauen innehaben, sind Frauen in der Wissenschaft offenbar unterrepräsentiert. Im Übrigen haben Frauen bei den Studienanfängern als auch bei den Absolventen mit einem Anteil von knapp 52 Prozent die Nase vorn. Über das gesamte Hochschulpersonal gesehen, sind sogar 53,6 Prozent Frauen. Man darf also schlussfolgern, dass Frauen nach und nach an Boden gewinnen.

Das passiert ganz automatisch, scheitert nicht an bösen Männern, die das zu verhindern versuchten oder würde deshalb besser, weil ständig eine bestehende Schieflage angeprangert würde. Überhaupt transportieren Erzählungen über das ungerechte männliche Geschlecht selten komische Überzeugungen. Die vielen Millionen Männer in Deutschland, die im gegenseitigen Respekt mit ihren Partnerinnen leben, sich Lasten und Verantwortungen teilen, werden unter solchen Anprangerungen stets mit diffamiert. Da wir ja heute in einer hochsensiblen Zeit leben, müsste doch auch darauf Rücksicht genommen werden, dass nicht alle Männer in einen Topf geworfen werden. Aus feministischer Sicht scheint dies jedoch gerecht zu sein. Vor allem der sogenannte „Gender Pay Gap“, wonach Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger verdienen als Männer, dient als solide Argumentationskeule. Klar liegt das an einer Männerdominanz in Führungspositionen. Und nun? Sollten die Jobinhaber etwa erschossen werden?

Werfen wir einen Blick nach Frankreich: Da wird eine ande-re Entwicklung deutlich. In Deutschland spricht darüber leider niemand. Der Historiker Pierre Vermeren nannte in der französischen Zeitung „Figaro“ Zahlen: „Drei Millionen zwischen 18 und 30 sind ohne Beschäftigung: kein Studium, keine Arbeit, kein Praktikum.“ Und er meint junge Männer. Früher wären sie Handwerker, Bauern, Arbeiter, Soldaten geworden, hätten Familien gegründet. Die heutige Gesellschaft würde Millionen Männer an den Rand drängen. Eltern und Staat hielten sie finanziell über Wasser. Mit Onlinespielen und Haschisch würden sie ihre Ausgrenzung bewältigen. Pornografie ersetzte die Beziehungen zum weiblichen Geschlecht. Vermeren erklärt den Geburtenrückgang nicht mit der Emanzipation der Frauen, sondern mit der Entfremdung der Männer. Für das Massenphänomen verlorener, junger Männer hat die Wissenschaft noch nicht einmal ein Wort.

Eigentlich ist es keine neue Erkenntnis, dass sich negative Trends verstärken, wenn die gesellschaftliche Aufmerksamkeit nur in eine Richtung gelenkt wird. Gerechtigkeit muss vielseitig und multiphänomenal betrachtet werden. Feminismus schafft nicht nur Gerechtigkeit, sondern auch neue Schieflagen. | Axel Römer

WEITERE
Anzeige
Magdeburg
Bedeckt
9.7 ° C
10.6 °
8.5 °
87 %
2.2kmh
95 %
Sa
11 °
So
11 °
Mo
14 °
Di
16 °
Mi
19 °

E-Paper