Römers Reich: Autorität siegt über Freiheit

Autorität siegt über Freiheit | Axel Römer

Die Gefahr, die von einem Virus, insbesondere Covid19 für Gesundheit und Leben ausgehen kann, darf man nicht relativieren. Doch wirklich erhellende Einsichten zu tatsächlichen Wirkmechanismen, gibt es nach wie vor wenige. Alle schauen auf die Zahlen. Tägliche Daten über Infizierte, Verstorbene, Ausbreitungseindämmung oder Fakten aus sogenannten Hotspots vermitteln einen Eindruck als wisse man, was ist. Daraus leiten sich Maßnahmen, Meinungen und Lebenswirklichkeit ab. Statistik erscheint als geeignetes Lenkinstrument für Haltungen.

Die jüngsten Wahlumfragen sind ebenso statistische Mittel, um politischen Zuspruch abzuleiten. Vor allem CDU- und CSU-Politiker in Regierungen, die schnell und konsequent gehandelt haben, fahren in den Umfragen Spitzenwerte ein. Für die Unionsparteien ist die Coronazeit ein Glücksfall in der Wählergunst. Alle anderen verlieren Prozentpunkte. Wie es sich für einen guten Statistikgläubigen gehört, schaue ich auf Vergleichsszenarien: Als die AfD sich als konsequente Kritiker an der Migrationspolitik der Bundesregierung abarbeitete und einschränkende Maßnahmen forderte, landete sie einen Wahlerfolg nach dem anderen. Ihre Kontrahenten, die mit Vokabeln wie Weltoffenheit, Freiheit und bunter Zukunft argumentierten, grübeln bis heute über den Durchmarsch. Dann kam die Stunde der Grünen. Je konsequenter sie die Durchsetzung klimapolitischer Regeln forderten, um so mehr Anhänger gewannen sie. In den vergangenen Jahren drehte sich eben messbar die Gunst in die Richtung der Leute mit der größtmöglichen Durchsetzungskraft.

Kritische Einwände wurden und werden mit Modellrechnungen und Annahmen – eben mit Statistik – geschlagen. Doch der parteiübergreifende Trend, der aus den unterschiedlichen Themen wie Migration, Klima und Corona ablesbar ist, lässt vor allem den Schluss zu, dass Bürger Autorität schätzen. Nun ist Autorität im eigentlichen Sinne eine Eigenschaft, in der sich Wissen, Durchsetzungskraft und Erfahrung im angemessenen Handeln widerspiegeln sollte. Letzteres kann wegen der neuartigen Politikfelder kaum abgeleitet werden. Offenbar sind es Konsequenz und Durchsetzungsfähigkeit für die Einführung von Regeln, die Menschen besonders schätzen. Das freie Spiel der Kräfte, der schwierige Diskurs für Lösungen und der weite Weg zur Synthese schmeckt Bürgern nicht so sehr. So werden Autokraten zu Siegern. Freiheit ist eine zarte Pflanze und man kann eigentlich sehen, wie schnell sie für eine Sache unter den Pflug kommt, wenn sich alles um diese Sache dreht. Vor allem solche Experten, die meinen, die beste Wahrheit auf ihrem Gebiet vertreten zu können, sollten wissen, wie schnell sie zu Feinden der Freiheit werden, wenn sie ein konsequentes Vorgehen fordern.

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