Römers Reich Axel Römer: Digitalisierung und Milliardäre

Sie wissen es längst: Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Trotzdem gibt es da die rastlosen Rufer, die stets und ständig mahnen, dass es mit dem Ausbau der Netze und technischen Möglichkeiten, mit den unzähligen Apps, der Künstlichen Intelligenz und den Programmen zur Lebenserleichterung nicht schnell genug vorangeht. Auch dieses SARS-CoV-2 hat uns in seiner ganzen Bösartigkeit gezeigt, dass wir besser vor Bildschirmen aufgehoben sind und den Kontakt zu anderen Menschen meiden. Jeder kann für andere eine Infektionsgefahr sein und logisch, die anderen auch für einen selbst.

Nun weiß ich, dass die Welt voller Widersprüche ist. Zum Beispiel der, dass die einen immer reicher werden und die anderen der Armut kaum entfliehen können. Das Driften dieser beiden Seiten der Menschheit funktioniert offenbar nur in eine Richtung. Wussten Sie, dass die großen amerikanischen Tech-Konzerne „Google“, „Amazon“, „Apple“, „Microsoft“ und „Facebook“ an der Börse aktuell rund 6,5 Billionen Dollar wert sind? Das ist mehr als die Jahreswirtschaftsleistung von Deutschland und Frankreich zusammen. Übrigens erwarten die Analysten an den Börsen ein weiteres Steigen der Aktienkurse dieser Unternehmen und der vielen anderen, die im virtuellen Reich der Möglichkeiten fischen.

Die großen Anteilseigner dieser Firmen wie Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg, Larry Page, Sergej Brin und auch Tesla-Gründer Elon Musk sind die Profiteure der Entwicklung. Eigentlich können sie die Hände in den Schoß legen, weil wir ihnen mit jedem Digitalisierungsfortschritt ein wenig mehr Reichtum spenden. Sie nehmen uns nichts weg, sie kassieren nur, weil wir ihre Dienste und Angebote nutzen.

Paradox ist eben, dass man glauben kann, das Leben würde leichter und gerechter, wenn wir den Bits und Bytes noch mehr Aufmerksamkeit spenden. Und die Forderungen nach einer Beschleunigung des Digitalen führen genau bei jenen zu himmlischen Reichtumszuständen, denen man es gemeinhin neidet. Übrigens kenne ich keine Partei im weiten Spektrum zwischen links über Mitte nach rechts unter sozialen, ökologischen, liberalen oder konservativen Aspekten, die irgendetwas anderes als eine beschleunigte Digitalisierung fordert. Hand aufs Herz, liebe Leserin, lieber Leser, erliegen wir nicht alle der wundervollen Verführungskraft neuer technischer Möglichkeiten? Nur so ein paar Alte, die nicht mehr mitkommen oder mitkommen wollen, sehen das anders. Der Jugend gehört die Zukunft. Die jungen Menschen treiben voran, wie es wird und gleichzeitig besorgen sie es den Reichtumsprofiteuren, die sie eigentlich abgrundtief hassen.

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