Römers Reich: Causa Hoffmann

Der Fall Michael Hoffmann hat einen Beigeschmack. Aber einen anderen, als Sie vielleicht auf den ersten Blick denken. Was war passiert: Auf seinem Facebook-Kanal veröffentlichte der Magdeburger CDU-Kommunalpolitiker und Stadtratsvorsitzende am 26. Januar Sätze wie „Jetzt reicht es aber endgültig. Das erinnert mich nun doch ganz ganz schlimm an das kommunistische System. War da aus dem ZK der SED noch irgendein Mittel über? FREIHEIT statt Merkel.“ Die Aussagen stießen nicht nur auf Kritik von allen Seiten, als die Presse-Guillotine „Der Spiegel“ darüber berichtete, gab es keine Alternative für Michael Hoffmann, um als Versammlungsleiter des Stadtrates zurückzutreten.
Ja, als Vorsitzender des Stadtrates muss man in allen Dingen des Kommunalparlaments überparteilich agieren. Und es gehört Würde zur Amtsausübung, ausgewogene Äußerungen zu machen. Dafür muss Hoffmann sich der Kritik stellen. Privat darf er eine Meinung sicher auch zugespitzter aussprechen. Und es steht jedem Bürger zu, politisch verordnete Regeln zu kritisieren. Dass sich ein überregionales Nachrichtenmagazin wie der Spiegel dem Fall Hoffmann annimmt, muss näher betrachtet werden. Schließlich verfügt die Redaktion im Hamburger Hochhaus „Ericusspitze“ nicht über die personelle Kraft, alle möglichen deutschen ehrenamtlichen Kommunalpolitiker und ihre Äußerungen zu verfolgen. Auf die Hoffmann-Posts muss jemand aus Magdeburg aufmerksam gemacht haben. In der Regel benötigt man schon einen persönlichen Kontakt, um beim Spiegel Gehör zu finden. Ohne den Draht aus der Ottostadt gäbe es den Spiegel-Bericht wahrscheinlich nicht.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass der Hinweis aus der politischen Mitbewerberschaft gekommen sein könnte. Schließlich wird Michael Hoffmann am rechten Rand der CDU verortet. Doch offenbar kam die Initiative gar nicht aus der Richtung links von den Christdemokraten, sondern aus den eigenen Reihen.

Seit der Rücktrittsankündigung von Oberbürgermeister Lutz Trümper weiß man von der Ambition, dass Hoffmann für seine Partei gern als OB-Kandidat antreten würde. Das wollte offenbar jemand verhindern. Und wie es der Verlauf der Dinge zeigt, ist das ausgezeichnet gelungen. Zieht man dieses Verhinderungsinteresse ins Kalkül, bleibt deshalb ein komischer Beigeschmack, weil nicht die Kritik an den Aussagen allein im Vordergrund steht, sondern zusätzlich das zweite Motiv sichtbar wird. Das Klima in den großen Parteien scheint gereizt. Der Kampf um Posten wird scheinbar noch schmutziger. Die Rückzugsankündigung von Lutz Trümper geschah auch wegen einer parteiinternen Intrige. Drei Fragen bleiben: Wer ist nach Hoffmann als nächstes dran? Muss man sich anhand solcher Geschehnisse über Vertrauensverluste in Politiker wundern? Und: Wer möchte eigentlich OB-Kandidaten, die mit Spielchen ins Spiel kommen, wählen? | Axel Römer