Römers Reich: Das Gegenteil ist der Fall

Die Corona-Pandemie ist auch eine Chance. So sagen es einige. Wenn schon Einschnitte ins Leben oder Arbeitsverbote für bestimmte Wirtschaftsbereiche, dann sollen Krisenzeiten Möglichkeiten eröffnen. Die ganz großen Transformationen, die mit solchen Vokabeln wie Energiewende, Klimaschutz und Nachhaltigkeit fortlaufend ausgedrückt werden, könne man ein ganzes Stück vorantreiben. Wie viel ein ganzes Stück ist, weiß ich nicht zu sagen, auch halbe Stückchen oder andere Viel- oder Wenig-Angaben helfen mir da selten weiter.

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Nur Politiker wissen stets, wie weit ein kleiner oder großer Schritt reicht. Der von Neil Armstrong bei der Mondlandung 1969 war ja nur ein kleiner für ihn, aber ein großer für alle anderen. Und das, obwohl man dafür keinen Fuß vor den anderen setzen musste. Den Maßstab am Erfolg von politischen Programmen können oft nur Politiker fassbar machen. Mir fällt es in der Regel schwer, an Vokabeln etwas zu messen. Nun wissen wir seit Greta Thunberg, dass die vielen Millionen alten Menschen es gewagt haben, der Jugend die Zukunft zu nehmen. Bei den „Friday-For-Future“-Demonstrationen wurden die Alten regelmäßig für ihre Lebensweise gescholten. Es geht hier nicht darum, den massenhaften Verbrauch natürliche Ressourcen zu dulden oder einen Hang zum Drittwagen – der wegen des schlechten Umweltgewissens oft schon über einen elektrischen Antrieb verfügt – gutzuheißen. Eine große Erhebung über die Bereitschaft zum Verzicht hat nämlich jetzt ergeben, dass Bürger jenseits der 50 und noch ältere über 60 zu Verzicht bereit sind und weniger anschaffen (klar die haben ja auch schon alles) oder lieber zu gebrauchten Sachen greifen. Ganz im Gegensatz zu den 19 bis 29-Jährigen. Dort gibt jeder fünfte junge Mensch offen zu, für Umwelt und Klima keiner­lei Abstri­che am eigenen Konsum zu machen.

Im Übrigen sind solche Umfrageergebnisse eher ein alter Hut. Die unteren Altersgruppen verfügen über einen gewissen hedonistischen Touch im Verhalten, weil man eben noch viel entdecken muss und sich ausprobieren will. Alte sind näher an Erbschaftsfragen und denken eher darüber nach, wie sie den Planeten hinterlassen wollen. Eine andere Wirtschaftsanalyse hat übrigens herausgefunden, dass der chinesische Nachwuchs im Konsumrausch gefangen ist und so lebt, als könnte das der Welt nichts anhaben. Wenn das der Kommunismus mit seinen Einsichten in Notwendigkeiten sein soll, na dann Prost Mahlzeit. Mit dem Öko-Bewusstsein ist es bei uns leider auch nicht so weither, wie es regelmäßig politisch oder medial erklärt wird. Billigmärkte legen weiter im Wachstum zu und es wurde noch nie so viel Verpackungsmüll wie heute produziert. Die Hälfte steckt im privaten Konsum, das sind 100 Kilogramm pro Bundesbürger. Es wird eben viel behauptet und am Ende ist das Gegenteil der Fall. | Axel Römer