Römers Reich: Deppen sterben aus

Man soll ja stets das Beste aus einer Sache machen, besser die guten als die schlechten Seiten des Lebens sehen oder lieber ein Glas halbvoll als halbleer betrachten. Denk positiv, sage ich mir. Deshalb habe ich jetzt auch meinen Frieden mit den Verstümmelungsversuchen an der deutschen Literatursprache gemacht. Es entstehen durch solche Wortanhänge wie „innen“ viele schöne Formen des generischen Femininums. Aus dem Deppen wird eben nun eine Deppin. Schließlich sollen sich Frauen und andere Persönlichkeitsvorstellungen in der Sprache nicht ausgeschlossen fühlen. Die Schreibart mit der Endung „-in“ verwandelt so die männliche Form auf wundersame Weise in eine weibliche. Wenn dann bald alle Schimpfworte – solche wie Blödianin, Idiotin, Arschlochin, Trottelin, Dusselin, Vollpfostin oder Hohlkopfin – in einer grammatikalischen Weiblichkeitsform geschrieben werden, darf man annehmen, dass die dummen Männer ein für allemal ausgemerzt sind. Jedenfalls wird das männliche Geschlecht per Endung aus der Begriffsbedeutung katapultiert. Die Vorstellung, dass der Blödmann am Ende gar doch eine Blödfrau ist, erscheint mir nicht unsympathisch. Kein Mann ist dann noch der Dumme, weil es ja nur noch Dumminnen gibt. Es tut mir wirklich leid, es möchte mir beim besten Willen und unter größten Anstrengungen nicht gelingen, mich in so einer Bezeichnung mitgenannt zu fühlen. Und wie ich mich fühle, steht ganz allein mir zu. Ich hoffe, andere Männer können sich meiner Einsicht anschließen und mit der Sprachänderung endlich die weitverbreitete männliche Dummheit ausmerzen, zumal „die Dummheit“ grammatikalisch betrachtet, offenbar ohnehin ein rein weibliches Problem zu sein scheint. Fast konsequent geht das Netzwerk für Demokratie und Courage e. V. von der Landesnetzstelle Sachsen-Anhalt vor. Dort wurde kürzlich das Projekt für „Zeitzeug­_inneninterviews“ verkündet. „Die Zeitzeug_inneninterviews von in Magdeburg inhaftierten Zwangsarbeiter_innen und KZ-Häftlingen werden von professionellen Schauspieler_innen vertont und für die jüngere Generation bewahrt.“ Im historischen Ansatz gilt es, das Vorhaben zu unterstützen. Nach der Grammatik und dem eigenen Anspruch sprachsensibler Menschen ist die Männlichkeitsform komplett aus dem Wort „Zeitzeug“ verbannt. Man müsste das „Zeitzeug“ sächlich verstehen. Mit dem Zusatz „_innen“ wird der Begriff wiederum rein weiblich. Kurios, dass bei der Schreibweise KZ-Häftlinge auf Zusätze ganz verzichtet wurde. Mein Verstehen ist natürlich spekulativ oder entspricht dem einer „Einfaltspinselin“. Als Frau könnte ich mich über die „Einfaltspinselin“ aufregen. Das wäre schließlich eine Diffamierung weiblicher Verstandesleistungen. Es ist wohl doch besser, wir bewahren uns den Mann als Deppen. Dann sind Idioten wenigstens geschlechtlich markiert. Statistisch erweisen sich Männer ohnehin öfter als Vollpfosten.