Montag, November 28, 2022

Römers Reich: Die Entdeckung benachteiligter Männer

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Die Benachteiligten sind eine wachsende Spezies. Jedenfalls muss man das annehmen, wenn man aufmerksam die unzähligen Veröffentlichungen, Hilferufe und Mahnungen über Opfer aller Art liest. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Jedes Opfer ist eines zu viel. Die Frage ist häufig, wodurch eine Benachteiligung entstanden ist und wer diese an welchem Maßstab gemessen hat.

Nun wissen wir seit einigen Jahrzehnten, dass vor allem Frauen Opfer vielfältiger Ungleichgewichte sind. Beim Einkommen, bei der Hausarbeit, in der Sprache und durch allerlei Anzüglichkeiten kann das weibliche Geschlecht Schaden nehmen bzw. ungerecht behandelt werden. Ich finde es richtig, dass diesbezüglich viele engagierte Aktivistinnen und Feministinnen die Stimme erheben und auf die Missstände aufmerksam machen. Umso verwunderter war ich, als Bundesfamilienministerin Franziska Giffey jüngst die Benachteiligung des männlichen Geschlechtes entdeckte. Schließlich sind die Träger des Y-Chromosoms doch meistens Ursache und Auslöser für das Leid der Damenwelt. Zwei Drittel aller Suizide begehen Männer, über 610.000 Männer werden jährlich Opfer von Gewalttaten. Nun soll es also Programme geben, die Männer mit solchen Dilemmas Hilfe und Unterstützung geben. Was mich wirklich stutzig macht, sind die Initiativen, stets neue Beratungs- und Hilfsangebote für spezielle Opfergruppen aufzulegen. Offenbar ist das ein Mechanismus der Politik. Wer Programme verkünden kann, steht als Samariter und Erlöser da. Nur werden Ursachen nicht wirklich beseitigt und Probleme nicht gelöst. Im Gegenteil, ich habe den Eindruck, es werden fortwährend neue Grüppchen auf Opfersteine gehoben und Politiker springen ihnen reflexartig zur Seite. Ich kann nicht einschätzen, ob das alles berechtigt ist. Nur frage ich mich, warum man nicht einfach Hilfe anbietet, und zwar allen, unabhängig vom Geschlecht, von der Stellung, der Herkunft oder von politischen oder religiösen Einstellungen?

Wer gesundheitliche Unterstützung braucht, muss sie bekommen, wer Opfer von Gewalt wird, muss Beistand erhalten – egal wie die Misere auch heißt, es braucht keine gesonderten Programme, die eine Gruppe, ein Geschlecht oder anders unterschiedene Individuen gegenüber anderen herausstellt. Am Ende sollen dann Experten, meinethalben Psychotherapeuten, Juristen, Sozialarbeiter etc. stehen, die entsprechend unter die Arme greifen. Ich bin gespannt, welche Benachteiligungsgeschöpfe als nächstes mit neuen Programmen geholfen werden soll. Ich finde übrigens, dass Modelleisenbahner und Kleingärtner oft in der Öffentlichkeit schikaniert werden.

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