Dienstag, September 21, 2021
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Römers Reich: Folgen eines falschen Worts

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Heutzutage kann man sich mit einem falsch gewählten Wort ganz schön in die Nesseln setzen. Verdächtig kann jedes Wort sein, das sich auf eine ethnische Herkunft bezieht oder sich mit einer möglichen unsensiblen Ansprache gegenüber Indigenen, Migranten und Minderheiten bzw. einem nicht sofort korrekt identifizierten sozialen Geschlecht verbindet.

Schön, dass es für Geschlechtervorstellungen eine ganze Palette an Zusatzzeichen wie den Doppelpunkt, das Sternchen, den Unterstrich oder das Binnen-I gibt. Das Kultusministerium Sachsen hat jetzt zumindest erkannt, dass ohne eine einheitliche Festlegung über eine gendergerechte Schreibweise, Schülerinnen und Schüler noch größere Schwierigkeiten haben werden, sich überhaupt eine angemessene schriftsprachliche Kompetenz anzueignen. Der Sprachwissenschaftler Fabian Bross von der Universität Stuttgart hat nun sogar festgestellt, dass sogar Deutsch-Lehramtsstudenten Schwächen bei Orthografie und Interpunktion aufweisen. Wie sollten Lehrkräfte Sprache vermitteln, die sie selbst nicht beherrschen?
Seit den 1970er Jahren wird in Langzeitstudien eine Verschlechterung der Rechtschreibfähigkeiten festgestellt. Systematisches Üben wird als preußischer Drill verurteilt. Spielerisches Lernen führt nicht zum erhofften Erfolg. Dazu kommt die wachsende Vorliebe zur mündlichen Kommunikation. Mir schwant Schreckliches, wenn der Trend anhält, wie sich künftige Generationen eine verbindlich gerechte Sprache aneignen wollten.

Zumindest in der Wissenschaft sollte man in der Lage sein, präzise Formulierungen für einen Untersuchungsgegenstand bzw. für die Interpretation von Forschungsergebnissen zu finden. Doch leider habe ich Zweifel. Die ganze Misere geschlechtergerechter Sprache fußt nämlich auf einem Formulierungsirrtum. Menschen können sich vielfältige Vorstellungen von Lebensentwürfen machen und diese mit erotischer Energie verbinden. Doch wer ist eigentlich darauf gekommen, dies dann in den Begriff des sozialen Geschlechts zu gießen? „Gender Role“ (Geschlechterrolle) wurde 1955 erstmals vom britischen Sexualwissenschaftler John Money verwendet und in der Folge verfestigte sich die konstruktivistische Annahme, dass Rollenvorstellungen mit Geschlechtlichkeit gleichgesetzt wurden. Hätte man besser von Persönlichkeitsideen oder -rollen gesprochen, gäbe es das Problem einer geschlechtergerechten Sprache gar nicht. Individuelle Persönlichkeitsrechte sind nämlich rechtlich genauso wirksam wie das Wort Geschlechtergerechtigkeit. So hat uns eine unglückliche Wortverwendung eine ideologische, politische und rechtliche Debatte beschwert, die es in Bezug auf die Vielfalt von Persönlichkeitsvorstellungen gar nicht gegeben hätte. Es existierte kein Streit zwischen biologischem und sozialem Geschlecht und wir könnten trefflich über Persönlichkeitsperspektiven argumentieren. | Axel Römer

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