Sonntag, Juli 3, 2022
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Römers Reich: Gut oder schlecht diskriminieren?

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Das Virus Covid-19 bleibt ein Bestseller, obschon man merkt, dass die Zahl derer, die sich davon genervt fühlen, wächst. Wer über ein wenig Menschenkenntnis verfügt weiß, dass eine Dauerbeschallung mit ein- und demselben Thema über kurz oder lang Frustration erzeugt. Der Mensch ist offenbar nicht dafür geschaffen, permanent mit einem Thema beschossen zu werden.

Diskriminierungen aller Art sind ähnliche Knüller auf der politischen Predigt-Bühne. Der feige Mord am Schwarz-Amerikaner George Floyd hat die Debatte zu Rassismus befeuert. Menschen wegen unterschiedlicher Merkmale zu benachteiligen, ist verabscheuungswürdig. Nun wird vielfach unterstellt, dass rassistische Erscheinungen strukturelle Gründe hätten. Das heißt, in bestimmten Institutionen würden Ressentiments gepflegt und verstärkt. Ich halte es beispielsweise für absurd und überzogen, der Polizei in Deutschland solche systemische Desavouierung zu unterstellen. Wer Kinder aufmerksam beobachtet, wenn sie miteinander in Streit geraten, erkennt, wie sie sich gegenseitig in Rage bringen. Irgendwann fällt das erste böse Wort, meistens eine sehr diffamierende Bemerkung. Und ein Gegenüber wird dann oft auf vermeintliche Schwächen reduziert. In den Kinderschuhen wurzelt bereits das Übel von Diffamierung. Das bekommt man nicht intellektuell wegpädagogisiert.

Spannend ist jedoch, wie Diffamierung, Benachteiligung und Herabwürdigung von solchen systematisiert wird, die sich als bekennende Anti-Diskriminierer hinstellen. Man kann heute nämlich in negative und positive Diskriminierung unterscheiden. Ich weiß nicht, wie eine Diskriminierung besser sein soll als eine andere. Diskriminierungsexperten können das allerdings gut erklären: Wenn Frauen bei Einstellungen bevorzugt werden, ist das gegenüber Männern eine positive Zurücksetzung, also gerechtfertigt. Die Technische Universität Eindhoven in Holland hatte wegen eines zu geringen Frauenanteils unter den Wissenschaftlern beschlossen, vorerst gar keine Männer einzustellen. Solange, bis sich die Geschlechter zahlenmäßig angeglichen hätten. Eignung egal. Ein Gericht hält den Beschluss für unzulässig. Liebes Gericht, ausschließlich Frauen einzustellen ist eben eine positive Diskriminierung und damit genauso zulässig, wie man alle Polizisten über einen Kamm scheren kann und Männer tragen ohnehin das gemeine Böse in sich. Im Übrigen beklagte kürzlich ein Personalchef eines Großkonzerns, dass überall händeringend Frauen für Führungspositionen gesucht würden. Man möchte sie überall mit Kusshand einstellen. Seiner Ansicht nach halten sich die Bewerbungen von Damen jedoch in Grenzen. So viele, wie man sucht, wären gar nicht da. Offenbar gibt es ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Über solche Aspekte liest man nichts. Deshalb bleiben Appelle einseitig und nerven, wie bei Covid-19. | Axel Römer

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