Dienstag, September 21, 2021
Anzeige

Römers Reich: Mehr ist oft viel Unsinn

Anzeige

Folge uns

Man braucht vor allem mehr von allem. Mehr Klimaschutz, mehr gut bezahlte Jobs und auf jeden Fall mehr korruptionsfreie Politiker. Mehr Sport ist sicher richtig, insbesondere, wenn man davon zu wenig macht. Dieses mehr oder dessen Gegenpart wenig ist quantitativ schwer zu fassen. Gibt es eigentlich eine Studie dazu, wie viele künstliche Hüftgelenke als Folge zu intensiver sportlicher Aktivitäten eingesetzt werden müssen?

Mehr Bildung – das ist noch so eine inflationär gebrauchte Forderung. Natürlich muss es die richtige sein. Aber welche ist das? Und wie soll das mit Homeschooling und besonders viel Unterrichtsvermeidung erfüllt werden. Es geht doch überall und ständig darum, ein angemessenes Maß zu finden. Leider gibt es in vielen Lebensbereichen keine sicheren Messlatten. Journalisten, die für Zeitungen schreiben oder im Fernsehen moderieren, bekommen weniger Reaktionen von ihren Rezipienten als beispielsweise Influencer mit über einer Millionen Fans. Niemand kann mir weiß machen, dass auch nur einer dieser Influencer-Stars auf all die Kommentare und Reaktionen tatsächlich eingehen könnte.

Nun haben da ein paar bekannte Schauspieler Corona-Politik und Medien in kleinen Filmchen gescholten. Der Aufschrei dagegen war wohl nur so groß, weil es für die Videos unter dem Titel #allesdichtmachen Beifall von der falschen Seite gab. Heißt das etwa, dass sich die einen nicht empört hätten, wenn die Falschen nicht geklatscht hätten? Werfen wir doch mal einen Blick auf die Medienschelte, in der zum Beispiel Jan-Josef Liefers satirisch sagt, dass Medien dafür sorgten, den Alarmismus schön weit oben zu halten. Nun behaupten Medienvertreter gern, sie würden ja nur berichten, was ist. Da aber – wie viele TV-Kanäle und Internet-Nachrichtenseiten können sie aufzählen? – auf hunderten Portalen überall dieselben Nachrichten laufen, sich permanent wiederholen und das Thema Corona mit Zusatzberichten, Sondersendungen und unzähligen Interviews mit sehr viel Aerosol-Verbreitung einhergeht, wird die tatsächliche Lage nicht tatsächlicher. Es ist wohl eher die Summe dieser Berichtsflut, die dem Ernst einer Lage die Wirklichkeit entzieht. Aber das gewachsene Medienangebot und die lawinenartige Verbreitung in den selten-sozialen Medien sind nur die eine Seite der Me­dail­le. Sie, liebe Leserinnen und Leser, müssen auch mit dem Finger auf sich selbst zeigen. Glotzte man nicht permanent auf Handys, Tabletts, TV- und Computermonitore, würde man von der Info-Expansion weniger mitbekommen und man hätte weniger den Eindruck, dass alles gesteuert ist. Wer ständig hinschaut, verzerrt den Spiegel der Wirklichkeit auch mit. Wenn viele dieselben Nachrichteninhalte verbreiten und viele diese immerzu sehen, kommt eben nicht unbedingt Wahrhaftigkeit heraus, sondern oft führt zu viel mehr Information zu mehr unsinnigen Interpretationen. | Axel Römer

WEITERE
Anzeige
Magdeburg
Bedeckt
14.7 ° C
18.1 °
13.6 °
68 %
0.5kmh
92 %
Di
16 °
Mi
19 °
Do
20 °
Fr
19 °
Sa
22 °

E-Paper