Freitag, September 30, 2022
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Römers Reich: Neue Worte, neue Konflikte

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Es gibt stets und ständig Zäsuren, also wichtige Lebenseinschnitte, die mit großen Veränderungen einhergehen. Von der Zeitenwende sprach Kanzler Olaf Scholz nach dem militärischen Einmarsch Russlands in die Ukraine. Daraus folgte der Beschluss, die Bundeswehr mittels 100 Millionen Euro wehrtüchtiger zu machen. Doch bleiben wir beim Wort Zeitenwende. Es war in den vergangenen Jahrzehnten – bis auf den Balkan-Konflikt – ziemlich friedlich in Europa. Heißt Zeitenwende unter Aufrüstung, dass wir uns vom Frieden verabschieden sollen?

Neue Begriffe sollen andere Zeiten markieren. Wir reden in diesem Zusammenhang mit Aufrüstung nicht mehr von Schulden, sondern von Sondervermögen. Das sollten Sie Ihrer Bank bitte klar machen, dass Ihre Immobilie nämlich ein Sondervermögen ist, dass nur mit einer Zahlung der Bank besichert ist, damit Bauhandwerkerrechnungen beglichen werden können. Das schöne am Sondervermögen ist auch, dass es künftigen Generationen nicht mehr als Schuldenlast aufgebürdet werden kann. Die künftigen Deutschen werden automatisch viel reicher sein als wir heute. Schenken wir ihnen doch noch mehr an Sondervermögen. In der Not könnten sie es verwetten, so wie 2007 Wetten auf Schuldverschreibungen getätigt wurden, um einen Geldkreislauf in Gang zu halten. „New Work“ – das ist noch eine wundervolle Wortschöpfung, die verheißen soll, dass sich Arbeitsweisen verändern, natürlich zu Flexibilität und Erleichterung hin. Deshalb wird es ganz sicher kein Problem sein, dass bald nur noch halb so viele junge Menschen gegenüber vor 30 Jahren doppelt so viele Alte versorgen können. Man muss es eben nur entsprechend ausdrücken können, schon scheinen wir auf dem richtigen Weg in die Zukunft zu sein.
Zu guter Letzt möchte ich noch auf die wundervolle Bezeichnung „feministische“ Außenpolitik aufmerksam machen, die Amtsinhaberin Annalena Baerbock als besonderes Merkmal neudeutscher Diplomatie ausgemacht hat. Ich hoffe doch, dass die Grünen-Politikerin das Land nach außen nicht nur für Feministinnen vertritt, sondern im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger. Der Zusatz „feministisch“ stellt jedoch ein Gruppeninteresse in den Vordergrund. Doch wenn ein Merkmal dieser besonderen Form von Außenpolitik eine neue Härte gegenüber Despoten dieser Welt darstellt, widerspricht die Ministerin dem Klischee, dass Frauen auf mehr Ausgleich setzen würden. Jedenfalls hat sie manchen Kollegen eines anderen Landes schon klargemacht, dass mit ihr Weichspülpolitiksprache nicht geht. Europa erschien mir unter der Verwendung traditioneller Begriffe einiger als heute. Im kleineren Maßstab spricht man von Hass und Hetze, deren Gefährlichkeit darin besteht, Konflikte zu verschärfen. Auf der außenpolitischen Weltbühne wird das gewiss nicht so sein, weil unter Feminismus Menschen bestimmt geeint werden können. Neue Worte schaffen neue Konflikte. Oder?

Axel Römer

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