Mittwoch, August 10, 2022
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Römers Reich: Parität ist nicht Parität

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Sachsen-Anhalts Landesregierung stellte kürzlich ein geschlechtersensibles Monitoring zum Anteil von Frauen in gehobenen Führungspositionen der Landesverwaltung vor. Nach dem Bericht der zuständigen Ministerin Anne-Marie Käding wäre bereits ein Anteil von 50 Prozent erreicht. Ihre Vorgängerin, die heutige gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Angela Kolb-Janssen, meint, der Bericht sei eher Schein als Sein. Schließlich ließe sich die Parität nur da-raus erklären, weil die hohe Anzahl an Schuldirektorinnen eingerechnet sei. In anderen Verwaltungsebenen stagniere der Anteil bei rund 40 Prozent. Bei den Amts- und Behördenleitungen seien es sogar nur 20 Prozent Frauen.

Ich würde gern wissen, ob sich die Gleichstellungsexpertinnen auch dann für Parität einsetzen würden, wenn beispielsweise alle Amts- und Behördenleitungen zu 50 Prozent mit Frauen besetzt wären. Schließlich gäbe es ja dann an den Spitzen der Schulen einen Frauenüberschuss und insgesamt wären Männer dann eigentlich benachteiligt.

Oft wird auch darauf verwiesen, dass es nach wie vor bestimmte Berufsgruppen gäbe, die vorzugsweise von Frauen gewählt würden. Pflegepersonal im Gesundheitswesen, Erziehungs- und Betreuungsarbeit in Kindertageseinrichtungen oder in bestimmten Dienstleistungsbranchen. Ob sich eine Kundin in einem Kosmetiksalon lieber von einem fachkundigen Mann bedienen ließe, weiß ich nicht. Aber wäre es nicht angebracht, beispielsweise in den von Frauen dominierten Bereichen des Gesundheitswesens eine Männerquote und Fördermechanismen sowie Bevorzugungen zur Gewinnung von männlichem Nachwuchs einzuführen?

Da man sich dieses Mechanismus in Branchen mit Männerüberschuss bedient, um Anreize für Frauen zu schaffen, müssten solche Konzepte doch auch umgekehrt wirken. Gäbe es dann bald mehr Männer in klassischen Frauenjobs würden automatisch Stellen für Frauen in traditionellen männlichen Professionen frei.

Ich verstehe das Ansinnen der Frauenförderung gut und würde das an jeder Stelle verteidigen. Aber vielleicht reicht mein Verstand einfach nicht aus, um erklären zu können, warum es diese Forderungen nach Parität nur in eine Richtung gibt. Wer das eine will, muss doch auch das andere tun. Oder, wenn sich zu viele auf die eine Seite einer Waage stellen, entsteht stets ein Ungleichgewicht. Grundsätzlich finde ich es auch gut, dass sich junge Menschen, egal welchen Geschlechts, bei ihrer Berufswahl nach Möglichkeit an ihren Interessen orientieren können und nicht nach Quoten verteilt werden. Wobei das bei den Deutschen gar nicht so abwegig ist. Schließlich war dies ein Merkmal des Unrechtsstaats DDR. Und dieses politische Lenkungssystem haben wir ja endlich überwunden. | Axel Römer

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