Sonntag, Juli 3, 2022
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Römers Reich: Risiko versus Risiko

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Den Tod bekommen wir mit dem Leben geschenkt. Wenn das Leben ein Geschenk ist, ist dessen Ende im Präsent schon eingewickelt. Klingt komisch, ist aber so. Nun befinden wir uns in dieser Corona-Periode und Tag für Tag gilt es Leben und Gesundheit zu schützen, sogar dadurch, dass Wirtschaft, Kultur und ziemlich normale Dinge wie ein Treffen unter Freunden zur Kontaktvermeidung gerade nicht möglich sind. Die Weltgesundheitsorganisation erhob die Covid-19-Infektion zur Pandemie und zahlreiche Regierungen haben das gesellschaftliche Leben eingefroren. Vor allem zum Schutz der Risikogruppen und damit Kliniken nicht kollabieren.

Ich finde diesen Schutz grundsätzlich richtig. Leben und Gesundheit müssen immer Vorrang haben. Allerdings – und darüber wird nicht wirklich geredet – steigt unter dem gesundheitlichen Schutz für die einen das Lebensrisiko für die anderen. Eine Pandemie auszurufen, heißt nämlich, dass sich alles dieser Priorität unterzuordnen hat. Nun ist es einem sehr guten Freund passiert, dass er am Wochenende stürzte. Vor Schmerzen suchte er im Medico Zentrum Magdeburg Hilfe. Dort wurde er telefonisch abgewiesen. Auch im Universitätsklinikum wollte man ihn nicht behandeln. Nach vier Tagen fand er einen Orthopäden, der schließlich eine leichte Unterschenkelfraktur diagnostizierte. Mir sind auch andere Krankheitsfälle bekannt, die derzeit nicht behandelt werden. Inwieweit verändert sich der Gesundheitszustand bei jenen Menschen negativ, deren geplante Operationen nun verschoben sind? Treten da keine Gesundheitsrisiken auf? Können da bleibende Beeinträchtigungen entstehen? Es ist eben nicht nur für manche Patienten gefährlich, mit dem Virus infiziert zu werden, auch für andere kann es sehr ungünstig sein, in dieser Zeit zu erkranken.

In der Öffentlichkeit werden Schreckensszenarien diskutiert, aber kaum über die Fälle gesprochen, die ebenso in eine schwierige Lage kommen könnten. Ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich derzeit alles der Angst vor Corona unterordnet, ohne daran zu denken, dass solche einseitigen Maßnahmen zu anderen Ängsten und schweren Folgen bei anderen führen. Und damit meine ich eben nicht die wirtschaftlichen, sondern tatsächlich solche, die sich mit dem Risiko verbinden, Leben oder Gesundheit verlieren zu können. Wer unter der Maßgabe, retten zu wollen, nur an die einen denkt, vergisst stets die anderen. Bedenkt man, dass statistisch im Haushalt die meisten Unfälle passieren – nicht auszudenken welchem Gesundheitsrisiko derzeit viele, die korrekterweise zu Hause bleiben, ausgesetzt sind. | Axel Römer

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