Donnerstag, Januar 20, 2022
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Römers Reich: Verwirrung statt Erkenntnis

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Wissenschaft – die steht doch für Aufklärung bisher unbekannter Phänomene und für Wissenszuwachs. Was mir heute mehr und mehr auffällt, ist eher eine Art Erkenntnisverfall. Dazu kommt wohl die Tendenz, dass Wissenschaftler nicht kritisiert werden dürften. Zugegeben, das trifft nicht auf alle zu. Unantastbar gelten heute manche Klimatologen, führende Virologen und bestimmte Genderwissenschaftler. Bei letzteren riskiert man, eventuell als „faschistisch“ bezeichnet zu werden. Auf jeden Fall scheint die fortschreitende Sprachsensibilität und vor allem, von anderen zu fordern, entsprechende Begriffe nicht zu benutzen, häufiger zur Verwirrung. Und wer solchen Menschen, die genau wissen, welche Bezeichnung allumfassend korrekt ist, nicht folgen will, muss mindestens mit Ächtung und schlimmstenfalls mit verbalen Attakten und Anfeindungen rechnen. An der Universität Halle zeigt gerade ein Streit zwischen der „Offenen Linken Liste“, der „Grünen Hochschulgruppe“ und der „Juso-Hochschulgruppe“ mit dem „Arbeitskreis Antifaschismus“ im Studierendenrat die Absurdität der Debatte. Weil eine hörbehinderte Zuhörerin die Manuskripte von drei Rednern am 17. November zum Nachlesen wünschte, ihr dies jedoch von zweien versagt wurde, warfen die drei studentischen Gruppen dem Arbeitskreis zunächst Behindertenfeindlichkeit vor. Später wandelte sich der Vorwurf in Transphobie. Dem Arbeitskreis – so der Antrag – sollten künftig Mittel und Räume gestrichen werden. Denn in den drei Vorträgen, denen der Arbeitskreis am 17. November an der Uni Halle eine Bühne gegeben hatte, wurden Defizite des von Judith Butler geprägten Genderbegriffs kritisiert. Beispielsweise, weil darin die natürlichen Grundlagen des menschlichen Lebens negiert würden, dadurch das Subjekt des Feminismus aufgelöst und die Frauenemanzipation eigentlich hintertrieben würde. Judith Butler zu kritisieren grenzt schon an eine Majestätsbeleidigung, vor allem wenn diese von links kommt.

Wie auch immer: Fakt ist, statt Aufklärung entsteht unter solchen Debatten Verwirrung und Ausgrenzung. Und die „Macht der Sprache“, die fortwährend ursächlich für ungerechte Verhältnisse in der Gesellschaft herhalten muss, wird unter Begriffserfindungen soweit verdreht, dass sie zum umgekehrten Spieß wird, der andere wiederum in eine Feindesecke definiert, ausgrenzt und diffamiert. Eine Wandlung zum Besseren ist unter solchen Auswüchsen kaum zu erwarten. Dennoch wird der Glaube daran gepflegt. Die neue Bundesfamilienministerin Anne Spiegel fordert erst im zweiten Atemzug eine Grundsicherung für Kinder. Vordringlicher sei eine gendergerechte Sprache in Gesetzestexten. Wenn ihr da mal nicht von Gerechtigkeitsaktivisten eine Formulierung falsch ausgelegt wird und sie sich als CIS-Frau (Übereinstimmung von Geschlechtsidentität und Geschlecht) entpuppt, die für andere Gender kein angemessenes Mitgefühl habe.

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