Römers Reich – Vom Schwindel beim Wenden und Wandeln

Die Begriffe Wende und Wandel sind derzeit in aller Munde. Worte wie Energiewende, Verkehrswende, Wandel durch Digitalisierung oder Politikwende werden gern und oft bemüht. Häufig werden solche Vokabeln mit Ausdrücken wie Innovation oder der Forderung nach neuem Denken verknüpft. Geht es nach den Redewellen in öffentlichen Sphären, müsste einem vor lauter Wendewandel eigentlich schwindelig werden. Bei manchem Thema führen die Drehungen bei mir allerdings in einen Zustand wankender Gedankengerüste. Wegen des Klima- und Umweltschutzes brauchen wir eine Forcierung in der Verkehrswende. Sie erinnern sich noch an die schlimmen Befürchtungen, einen Stickoxidtod am Dieselauspuff sterben zu müssen. Die alten deutschen Autoriesen sollten zur Umkehr im Denken bewegt werden. Und der Beifall kam auch, als E-Mobilitäts-Pionier Tesla den Bau eines Werkes im Brandenburger Land ankündigte. Jubel allerorten. Doch die Verkehrswendeaktivisten haben die Rechnung ohne Baumpiraten gemacht. Als es um die Rettung des Hambacher Forstes ging, gab es viel Beifall für die Baumhausbewohner. Jetzt stehen also Bäume der Verkehrszukunft im Weg und sollen den Teslanern weichen. Sogar die Grünen verstehen ihre Schutzpolitik nicht mehr. Man deutet vom UmweltschutzOlymp aus die Brandenburger Nadelgehölze zur überflüssigen Kiefernplantage um. Jeder besetzt die Welt eben mit seinen Prioritäten. Die Baumschützer Grünheide seien gar keine echten Umweltschützer, so sagen es die wahren Bewahrer und Fortschrittswendevertreter. Auch gegen das Abholzen an der A49 für die Verlegung einer Stromtrasse regt sich Protest. Überhaupt möchte niemand
gern Starkstromleitungen in der Nähe seiner Heimstatt haben. Wie soll nur der ganze grüne Strom von den Windradwäldern zu den Steckdosen kommen? Für eine radikale Wende demonstrierten „Fridays for Future“. Und jetzt wandelt es sich radikal und Natur- und Klimaschutzanliegen torpedieren einander wie sich die Katze in den Schwanz beißt. Übrigens, wenn ich in der Vergangenheit zärtlich manches Bedenken gegen Radikalität und Wendefanatismus geäußert habe, wehte mir ein Sturm der Entrüstung entgegen. Manchmal wusste ich nicht mehr, wohin ich mich wenden sollte. Ich versuchte, mich dem Verstand anderer zuzuwenden, doch meistens hatte sich auch der so schnell gedreht, dass mir die Blickrichtung verloren ging. Wir brauchen ein neues Denken! So rufen es die Innovationsaktivisten und können noch nicht einmal das Denken erklären. Selbst Hirnforscher können das nicht. Schlussfolgerung: Wer nicht weiß, wie Denken funktioniert, kann wenigstens neu denken. Das nenne ich eine Geisteswende von Dummheit zur Einfalt. | Axel Römer

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