Dienstag, Juli 5, 2022
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Römers Reich: Von Helden & Heldensagen

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Von Helden war in den vergangenen Wochen vielfach die Rede. Mancherorts wurden solche beklatscht und für ihre Taten gefeiert. Als Helden bezeichnet man gemeinhin Personen, die Heldentaten, also ganz besondere, außeralltägliche Leistungen vollbringen. Der Beifall galt häufig Ärzten, Krankenschwestern, Pflegefachkräften, Mitarbeitern in Supermärkten oder Kinderbetreuungspersonal. Es ist gut, wenn die Arbeit dieser Menschen gewürdigt wird. Anerkennung haben sie verdient. Ich versuche natürlich, die außeralltäglichen Mühen zu erkennen. Sehe jedoch meistens, dass sie ihren alltäglichen Dienst versehen. Außergewöhnlich ist nur die Coronaphase, unter der alle ungewöhnliche Bedingungen erleben.

Wenn sich der Applaus wenigstens fortsetzte und zwar für solche Menschen, die sich trotz existenzieller Notlage komplizierten Bedingungen stellen und ihre Unternehmen aufrechterhalten, Arbeitsplätze sichern und in Zukunft wieder für Steueraufkommen sorgen. Da gibt es nämlich eine Menge Helden, die wirklich mit außeralltäglichem Mut, in unsicherer Wirtschaftslage zusätzliche Kredite schultern. Solche Beifallsbekundungen sind kaum zu vernehmen. In der Politik spricht man von Wiederaufbau und meint damit eher, Großkonzernen unter die Arme zu greifen. Kürzlich bekundete ein Münchener Gastronom, dass er seinen Biergarten vorerst wieder schließen würde, weil er täglich ein paar Tausend Euro Miese macht. Trotz schönem Wetter und Öffnungsregeln blieben Gäste aus und zusätzliche Hygiene- sowie Desinfektionsauflagen steigerten die Kosten bei mangelndem Umsatz. Ein schlauer Kommentator bezeichnete den Wirt als üblichen Jammerer, wie man sie bereits aus der Landwirtschaft kenne.

Ich kann die Bedingungen des Gastronomen nicht im Detail bewerten. Aber ich würde mich hüten, ihn für seine Entscheidung zu beschimpfen. Er trägt die Verantwortung für den Fortbestand des Unternehmens. Niemand wird ihm das abnehmen. Auferlegt bekommt man indes so einiges. Vermutlich gehört der Kommentaror wiederum zu der Spezies von Mensch, bei denen am Ende eines Monats auf wundersame Weise Geld auf dem Konto landet. Wer die Mühe, eine Firma zu gründen, zu entwickeln und zu erhalten selbst erlebt hat, urteilt jedenfalls nicht auf eine so dümmliche Weise. Vom Horizont mancher Schreibtischtheoretiker her hört man häufig das Besserwissen über das Wirtschaften von mittelständischen Betrieben oder Einzelunternehmern. Aber für diese Art Zeitgenossen gibt es ebenso schöne Heldensagen, nämlich solche, die von Maulhelden künden. | Axel Römer

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