Donnerstag, Januar 20, 2022
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Römers Reich: Vorsicht Kinderbücher!

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Vorsicht vor Kinderbüchern. Am Heiligen Abend lagen sicher aus besten Absichten zahlreiche Kinderbücher unter’m Weihnachtsbaum. Eltern möchten ihren Nachwuchs zum Lesen und zur Wissensaneignung animieren. Auch der Entwicklung von Fantasie können Bücher eine Menge Anregung geben. Heute sollte man sich vor einem Bücherkauf ausführlich über gefährliche Texte informieren.

Der Lehrstuhl für Sprachwissenschaft der Universität Zürich – man muss fragen, wer unter dem Lehrstuhl, Maskulinum, zu verstehen ist? – fand heraus, dass in 106 Bänden der Jugendkrimibuchreihe „TKKG“ Klischees zu Geschlechter-Stereotypen und konservative Rollenmuster enthalten seien. Liebe Eltern, das ist toxische Literatur. „TKKG“ – das sind vier Jugendliche, die als Hobby-Detektive Verbrechen aufklären. Die „schadhaften Figuren“ sind der sportliche Tim, das schlaue Professoren-Söhnchen Karl, der Süßigkeiten-Fan Klösschen und die hübsche Polizisten-Tochter Gaby. Die Züricher Sprachforcher sehen in der Detektivgeschichten die akute Gefahr, dass sich Kinder und Jugendliche vorzeitig mit veralteten Rollenbildern infizieren könnten. Seien Sie also auf der Hut, was Sie ihrem Nachwuchs vorlesen oder unter die Augen halten. Es könnte am Ende sein, dass Ihre Kinder Ihnen ähnlich werden. Und das will man doch nicht. Das muss als große Gefahr benannt werden. Denn es sind die Alten, durch die Gefahren zu Ungerechtigkeiten und Identitäten festgezurrt werden. Ich plädiere ja schon seit Jahren für ein generelles Verbot von Märchen. Ich halte die illusionäre Heuchelei darin für giftigen Hirnstoff. Woher sollen wir denn nur all diese Verklärungen vom Glück und „am Ende wird alles gut“ haben, wenn nicht aus den Geschichten in unserer Kindheit. Gäbe es die Erzählungen über Prinzen und Prinzessinnen gar nicht, wie viele verzweifelte Suchen nach Traumpartnern wären uns erspart geblieben? Wie viel auswegloses Jagen nach Glück und die Traurigkeit darüber, wenn es sich nicht einstellt, hätten wir vermeiden können? Wie oft warteten wir hoffnungslos auf irgendwelche Helden und Erretterinnen?

Stellen Sie sich vor, in den Kinderbüchern der Zukunft kämen solche verschwurbelten Klischees nicht mehr vor, sondern es würden die Geschichten über Prinzessinnen unterdrückende Prinzen, über gemeine Egoistinnen und intolerante Diverslinge aufgeschrieben. Wäre man dann nicht erhaben über fehlleitende Vorbilder und desillusioniert? Sicher wären Kinder dann im Vorschulalter vernünftig, nähmen die Last des Lernens als großen Spaß auf, an dessen Ende sie von Rollen-Teufelzeug und Klischee-Zauber befreit wären. Achtung! Mich erinnert das ein wenig an Nietzsches Übermenschen. Vielleicht sollten Sprachspezialisten häufiger den ollen Philologen lesen, um ihre Besser-Mensch-mach-Theorie einordnen zu können.

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