Samstag, Oktober 16, 2021
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Römers Reich: Warnhinweise vorm Leben

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Wer heute ein Studium beginnt, muss damit rechnen, in retraumatisierende Situationen zu kommen. Jedenfalls warnt das Gleichstellungsbüro der Universität Bonn in einem Leitfaden mit dem Titel „Informationen und Anregungen zum Umgang mit Inhaltshinweisen in der Lehre“ vor den Schrecken von Lehrmaterial und Vorlesungen. Dort können Studenten auf „beunruhigende oder verstörend wirkende Inhalte im Lehrmaterial“ stoßen. Auf solche heiklen Themen sollten sich junge Menschen bei Aufnahme ihres Studiums vorbereiten. Über „Gewalttätigkeit, pornografische Inhalte, Entführung und Verschleppung, Tod oder Sterben, Schwangerschaft/ Kinderge-burt, Rassismus, Sexismus, Frau- enfeindlichkeit oder Klassenkampf“ könnten Studenten im Lehrmaterial lesen oder davon in Vorlesungen hören.

Der Rektor der Universität hat sich von der Veröffentlichung inzwischen distanziert und verkündet, dass dieser Leitfaden nicht mit dem Rektorat abgestimmt war. Eigentlich müsste er wegen der Studiengefahren mehr Verantwortung zeigen. Vor allem Eltern müssten davor gewarnt werden, mit welchen bösen Worten ihre Kinder mit Beginn ihrer höheren Bildung konfrontiert werden könnten. Vor dem Leben und dessen fürchterlichen Auswüchsen, insbesondere beim Aufeinandertreffen mit anderen Menschen, muss hingewiesen werden. Dass solcher Unbill ausgerechnet an Universitäten auf sensible Seelen treffen kann, finde ich besonders bedenklich. Stellen Sie sich bitte vor, Medizinstudenten müssten möglicherweise Blut sehen oder ihnen würden innere Organe vorgeführt. Ich finde, das ist wirklich unzumutbar. Nicht auszudenken, wenn Geschichtsstudenten etwas über die Gräueltaten in vergangenen Kriegen erfahren würden. Natürlich enthält das Infomaterial wichtige Hinweise, wie Lehrkräfte bei der Vermittlung „verstörender Inhalte“ vorgehen sollten: „Versuchen Sie, verstörende Inhalte umfassend einzuführen und einzubetten. In einer Seminar-einheit zum Holocaust sollten Sie nicht direkt mit Bildmaterial aus Auschwitz beginnen. Erläutern Sie stattdessen zunächst den historischen Kontext, beschreiben Sie dann mündlich die Bedingungen in den Konzentrationslagern und führen Sie schließlich je nach Bedarf die Bilder ein. Wann immer es möglich ist, lassen Sie die Studierenden in ihrem eigenen Tempo durch das erschütternde Material gehen.“
Der Schutz unseres Nachwuchses sollte eigentlich bereits im frühen Kindesalter beginnen. Schließlich lassen Eltern oft ungerechte Worte fallen. Möglicherweise kritisieren sie ihren Nachwuchs bei Fehlverhalten. Schließlich erlebt man nicht nur an Hochschulen belastende Formulierungen. Es existiert quasi keine Lebenssphäre, in der sich zarte Gemüter nicht mit verstörenden Inhalten auseinandersetzen müssten. Ich wäre für die Einführung von Warnbildern vom Leben, ähnlich solchen wie auf Zigarettenschachteln. | Axel Römer

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