Donnerstag, Januar 20, 2022
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Römers Reich: Wie sozial ist der Plan?

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Axel Römer | Die soziale Marktwirtschaft ist ein großes Heiligtum. Politiker sprechen mit Ehrfurcht vom besten Wirtschaftssystem aller Zeiten. Übrigens geht die Bezeichnung auf den deutschen Ökonomen Alfred Müller-Armack zurück, der damit das Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem des sozialen Ausgleichs verbinden wollte. Nun realisiert sich soziale Marktwirtschaft vor allem nicht deshalb, weil man behauptet, wir hätten sie. Ausgleich wird an vielen Stellen gefordert aber nicht immer erfüllt. Neulich kam die Nachricht, dass sich Deutschland nun unter die Top-3 der weltweit größten Elektroautomärkte katapultiert hat. Im vergangenen Jahr seien knapp 400.000 E-Autos zugelassen worden. Damit ist die Bundesrepublik in Europa führend. Der große ökologische Erfolg wird mit der süßen Kaufprämie von bis zu 6.000 Euro befeuert. Außerdem muss man wissen, dass in der Gesamtanzahl an Fahrzeugen stets die Hybrid-Mobile, die beispielsweise mit Benzin- und Elektromotor ausgerüstet sind, eingerechnet sind. Und zwar selbst dann, wenn der E-Motor niemals angeworfen wird. Stolze Elektroautobesitzer können ein gutes Gewissen haben, wenn sie ein abgasfreies Gefährt vor dem Einfamilienhäuschen stehen haben. Noch größer schlägt das Herz für den Klimaschutz, wenn dazu noch eine Fotovoltaikanlage auf dem Eigenheimdach montiert ist. Das ökologische Bewusstsein lässt sich Väterchen Staat manchen Fördereuro kosten. Und beim Strom zahlt man gern ein paar Cent mehr für die EEG-Umlage, weil dadurch die Klimarettung in greifbare Nähe rückt. Ich weiß nur nicht, ob der brave Umweltbürger mit seinem Weltengagement auch an den unsozialen Aspekt dieser ganzen planwirtschaftlichen Steuerung denkt. Klar, Klima ist wichtig. Da müssen die kleinen Leute – solche, die sich weder ein Eigenheim mit Solardach leisten, noch ein nagelneues E-Mobil trotz Kaufprämie bezahlen können – für das gute grüne Gewissen der Mittelschicht bei den Energiepreisen eben mitblechen. Weltmeister wird Deutschland gern. Wenn schon nicht beim Fußball, dann eben beim Strompreis. Übrigens finden sich in Stadtteilen mit Mehrfamilienhäusern und Plattenbauten selten Lademöglichkeiten für die Batterie-Gefährte. Die viel beschworene Schere zwischen Arm und Reich, die sich weiter öffnet, ratscht nicht nur eine Kluft zwischen Milliardären und solchen, die ewig davon träumen, sondern ebenso in die Einkommensabstände zwischen Otto-Normalwohlstands-Mensch und Mini-Einkommensverlierer am unteren Ende der Verdienstskala. Dass Leute mit wenig Geld, insbesondere Rentner – Oma wurde beim WDR schon als alte Umweltsau ausgemacht – sich weniger stark am Konsum beteiligen und damit zwangsweise weniger der Umwelt schaden, wird gern vergessen. Jedenfalls versagt der soziale Gedanke gänzlich in der Energiepolitik. Ist aber auch logisch, denn in der Energiepolitik wird eher plan- als marktwirtschaftlich gedacht.

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