Sachsen-Anhalt: Langsame, aber stetige Erholung

Sachsen-Anhalt gilt als mittelalterliches Zentrum der Ottonen und als Ursprungsland der Reformation und besitzt im bundesweiten Vergleich die meisten Weltkulturerbestätten. Doch obwohl historisch und kulturell viel geboten wird, hat Sachsen-Anhalt in etlichen Bereichen die rote Laterne. So etwa bei der Bevölkerungsentwicklung. Kein anderes Bundesland hat seit der Wiedervereinigung einen so hohen Rückgang seiner Bevölkerungszahl zu verzeichnen wie die Region zwischen Altmark- und Burgenlandkreis. Lebten im Jahr 1990 hier circa 2,874 Millionen Menschen, waren es Ende 2019 noch 2,195 Millionen. Nach einer Prognose des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt wird die Bevölkerungszahl bis 2025 auf rund 1,9 Millionen sinken. Sollte dies eintreffen, hätte das Bundesland seit der Wende rund 30 Prozent seiner Bevölkerung verloren.

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Zum einen ist diese Entwicklung auf die geringe Anzahl Neugeborener zurückzuführen, zum anderen auf die Abwanderung der Menschen. Der dramatische Strukturwandel hängt hauptsächlich mit den wirtschaftlichen Rückschlägen nach der Wende zusammen. Zehntausende von Arbeitsplätzen gingen verloren – vor allem in den Bereichen Maschinenbau, chemische Industrie und Bergbau. Gewisse indus-trielle Zweige wurden ausgedünnt oder verschwanden ganz. Auch die Landwirtschaft hatte zu leiden. Unter anderem wirkte sich der Umgang mit der Umwelt vor 1990 und die darauf zurückzuführenden Altlasten (beispielsweise Bitterfelder „Silbersee“) negativ auf die Bemühungen aus, neue Industrie in Sachsen-Anhalt anzusiedeln. Mit dem ökonomischen Umbruch ging die Zahl der Beschäftigten drastisch zurück – zwischen 1990 und 2000 um etwa 47 Prozent.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lag die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt 1991 durchschnittlich bei 167.127. Im Jahr 1992 stieg sie sprungartig auf 217.474 an und erreichte ihren traurigen Höhepunkt 2000 mit 272.867 (ebenfalls bundesweiter Rekord). Seither geht die Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich zurück, sank im Jahr 2008 erstmals unter einen Wert von 200.000 und 2017 erstmals unter 100.000. Für das vergangene Jahr meldete die Bundesagentur für Arbeit 80.608 Arbeitslose in Sachsen-Anhalt (Grafik oben). Die Quote – bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen – lag um die Jahrtausendwende bei circa 20 Prozent und ist inzwischen auf 7,1 Prozent gesunken (1991).

Trotz der Rückschläge hat das Bundesland seit 1990 eine langsame, jedoch stetige wirtschaftliche Erholung vollzogen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug nach Angaben des Statistischen Landesamtes 1991 circa 20,5 Milliarden Euro, 1995 bereits 38,5 Milliarden Euro und zehn Jahre später 45,6 Milliarden Euro. Der sanfte Anstieg setzte sich auch in den da-rauffolgenden Jahren fort: 2019 lag das BIP in Sachsen-Anhalt bei 63,5 Milliarden Euro (Grafik Mitte). Auch mit Blick auf den Tourismus lassen sich positive Tendenzen erkennen. Während es laut Statistischem Landesamt nach der Wende etwas mehr als 500 Beherbergungsbetriebe (inkl. Camping) gab, waren es Ende der 1990er bereits mehr als 1.000. In diesem Bereich verharrt die Zahl seitdem – 2019 wurden 1.062 Beherbergungsbetriebe registriert. Die Zahl der Übernachtungen ist ebenfalls allmählich angestiegen, von etwa 3,64 Millionen 1993 auf 8,65 Millionen 2019 (Grafik unten). Welche Auswirkungen die Corona-bedingten Maßnahmen auf diese Entwicklung haben, ist noch nicht abzusehen. Tina Heinz

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