Dienstag, September 21, 2021
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Salongeflüster: Abschneiden

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In meinem Frisiersalon fühle ich mich ganz wohl. Ich möchte nicht in die Politik gehen. Denn da geht es ja noch haariger zu als bei mir. Ich schneide ab, in der Politik schreibt man ab. Und zwar erst für sein Buch, da will jeder eins schreiben und dann wird er abgeschrieben, eben weil er abgeschrieben hat. Oder hat schreiben lassen. Ich lasse bei mir ja auch schneiden. Schließlich habe ich da wunderbare Mitarbeiterinnen, die hervorragend abschneiden beim Abschneiden. Was die mit der Schere schaffen, dafür brauchen manche Politiker mehrere Legislaturperioden und schneiden trotzdem nicht gut ab. Denn sie haben keine Ahnung von dem was sie tun. Nehmen wir doch nur mal den Tullner, diesen hallensischen Tausendsassa, der sich jedes Ministerium zutraut. Zuletzt war er Bildungsminister und war so gut in dem Job, dass man sich immer gefragt hat, was er er eigentlich beruflich macht, denn von Bildung verstand er nichts. Dabei ist sein Vater Professor und hat auch wirklich Ahnung. Aber das kenne ich auch aus meinem Salon. Die Ilse ist eine richtig gute Friseurin und eine Stütze meines Ladens. Vor ein paar Jahren fragte sie vorsichtig an, ob ihre Tochter nicht bei uns eine Lehre anfangen könnte. Natürlich habe ich gleich zugesagt, denn die Schere fällt nicht weit vom Kamm oder so ähnlich. Und dann fing sie an. Leider war sie das genaue Gegenteil ihrer Mutter. Ich kenne ja den Vater nicht, aber sie scheint alles von ihm geerbt zu haben und nichts von der Ilse. Sie hat es geschafft, sogar eine Glatze falsch zu schneiden. Und mit dem Haartrockner hat sie zwei Dauerwellen in Brand gesetzt. Als sie schließlich einer Kundin die Haare geschnitten hatte, die sich dagegen wehrte und schließlich erklärte, sie habe ihre teure Perücke zerschnitten, da musste ich sie denn doch mal langsam zum Gespräch bitten. Sie selber hielt sich für großartig und die Kritik fand sie unangebracht. Als die Ilse das mitbekam, übernahm sie das Gespräch, wurde laut und schmiss ihre eigene Tochter schließlich raus. Diese arbeitet heute in einem Amt. Sie hat zwar immer noch keine Ahnung, aber wenigstens ist sie damit nicht mehr alleine. Genau wie der Tullner, denn der will jetzt Justizminister werden, hat aber nicht Jura studiert. Na und? Wenn ein Minister wegen seiner Fähigkeiten und seiner Kenntnisse den Job bekäme, der würde sich doch am Kabinettstisch ganz alleine fühlen.

In diesem Sinne: Der Nächste bitte.

Wort-Coiffeur Lars Johansen

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