Sonntag, August 14, 2022
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Salongeflüster: Die ausgefallene Feier

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Eigentlich hätte ich neulich in meinem kleinen Salon Jubiläum feiern können: 30 Jahre schneiden und dabei doch im Schnitt ganz gut abgeschnitten. Mein Salon ist ein Nachwendekind. Aber in Coronazeiten macht man so was wie feiern natürlich nicht. Da freust du dich, wenn es deinen Laden immer noch gibt und ärgerst dich höchstens über die Feierbiester, die den Abstand nicht halten und fröhlich einen drauf machen, bis wir alle wieder schließen können. Ich habe das meinen Kindern ganz freundlich erklärt: Wenn ihr feiert und Corona kriegen solltet oder auch nur fiebrig glänzt, dann tritt das Beherbergungsverbot in Kraft und ihr kommt hier nicht mehr rein in die Wohnung. Ihr könnt gerne draußen erfrieren, das ist mir nicht egal, denn ich schmeiße euch meinen alten Militärschlafsack runter, aber erst nach einem negativen Test lass ich euch wieder rein. Ich weiß, dass ihr nicht an Corona glaubt, aber das hat Trump auch nicht und dann musste er ins Krankenhaus und jetzt ist er tot. „Das sind Fake-News“ sagen meine Kinder. Mag sein, das mit dem Tod muss nicht stimmen, aber ich glaube sowieso nicht an Trump.

Jedenfalls musst du beim Feiern auf Abstand achten und einen Schnutenlappen tragen, da wird es mit dem Sekt und Anstoßen schwierig. Und wenn sowieso nur vier Menschen gleichzeitig deinen Salon betreten können, dann ist das keine Feier, sondern eher die Beerdigung eines nicht ganz so beliebten Zeitgenossen.

Da ist mir dann aufgefallen, dass es zu einem anderen Jubiläum auch keine Feier gegeben hat, denn immerhin 30 Jahre sind wir jetzt ein Land. Davon war in Magdeburg nichts zu merken. Lag es an Corona? Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, denn euphorisch in den Armen liegen würde sich sowieso kaum jemand, also bestünde keine Infektionsgefahr. Es wäre eher Routine geworden, so wie bei einer Silberhochzeit von einem alten Paar, bei dem von Liebe keine Rede mehr ist. Doch auch das wird gefeiert. Und es ganz zu unterlassen, das ist schon merkwürdig. Oder sollte das Kaiser-Otto-Fest der Ersatz dafür sein? Der hatte sich ja auch wiedervereinigt: Zuerst mit Editha und dann mit Adelheid. So gesehen gab es ein Fest, eines, das weit in der Vergangenheit spielt. Mit der Zeitgeschichte tun wir uns da schwerer oder wie soll ich das ausgefallene Vereinigungsfest verstehen? Aber ich muss es ja auch nicht verstehen. Ich bin kein Politiker, sondern nur ein einfacher Coiffeur. In diesem Sinne: Der Nächste bitte.

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