Salongeflüster: Haarige Daten

Wir müssen uns in meinem Salon jetzt ja strikt an die Hygienevorschriften halten. Das mussten wir vorher eigentlich auch schon. Aber da hat es keiner gemacht, weil ja nichts passiert ist. Jetzt passiert auch nichts, aber wenn doch was passiert, dann passiert was. Und deshalb sind wir vorsichtig. Das beginnt schon mit der Adresse. Die Kunden müssen sich mit allen Daten eintragen. Erinnern Sie sich noch an die DSVGO oder DSGVO oder DVSGO, also diese Datenschutzordnung? Die ist eigentlich so streng, da reicht ein Druckfehler im Impressum der Internetseite und du wirst von einer windigen Anwaltskanzlei abgemahnt. Wenn ich so einen Advokaten einmal unter mein Messer bekommen würde, dann hätte er nach dem Haarschnitt die Abmahnung direkt mitnehmen können, weil er dem Foto auf seiner Internetseite nicht einmal entfernt ähnlich gesehen hätte, und das ist ja eigentlich ein Betrugsversuch. Er würde so aussehen wie etwas, was man ganz schnell loswerden will und das nicht einmal von der städtischen Müllkippe angenommen wird, wenn Sie wissen, was ich meine. Wobei ich nichts gegen Anwälte gesagt haben will, nicht dass jetzt einer klagt oder den Seehofer macht, also einen Rückzieher mit Bauchklatscher nach bayrischer Manier hinlegt.

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Wo war ich noch mal hängen geblieben? Ja, genau bei dem Datenschutz. Der war so streng, dass schon die Erwähnung der Haarfarbe oder eines Färbevorgangs ein mehrjähriges Berufsverbot nach sich gezogen hätte. Selbst zum Schneidevorgang musste eine schriftliche, aber strikt anonymisierte Einverständniserklärung aller Beteiligten vorliegen. Bei Kindern mussten beide Erziehungsberechtigten und der Kunstlehrer unterschreiben, dass sie damit einverstanden sind, dass wir die Schere ansetzen. Telefongespräche zur Terminabsprache mussten ohne Namen dokumentiert, die Dokumente sicher aufbewahrt und nach 99 Jahren gelöscht werden.

Das war einmal. Jetzt dürfen, ja müssen wir alle Daten abfragen und es ist egal, was wir damit tun. Wir bewahren sie in einem riesengroßen Container unsortiert auf und wenn wirklich mal einer krank war, dann laden wir den Vertreter vom Gesundheitsamt ein, schütten den Inhalt im Hinterhof aus und dann kann er den Papierberg erklimmen. Oder er macht ein Feuer, weil er darüber wahnsinnig wird. Dann erklingt dieses irre Lachen, während die Flammen auf den Salon übergreifen. Und wir? Wir sind gut versichert. In diesem Sinne: Der Nächste bitte. | Lars Johansen

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