Mittwoch, Juli 6, 2022
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Salongeflüster: Suchen und nicht finden

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Ich habe mir überlegt, wie ich es anstellen muss, nicht gefunden zu werden. Denn wenn ich mal keine Lust habe zu arbeiten, dann ist das gar nicht so schlecht. Gut, es ist schlecht fürs Geschäft, aber wenn ich es wie diese Windmühle in Buckau mache, dann kann doch gar nichts schiefgehen. Ich lasse mir einfach so lange stattliche staatliche Fördermittel geben, bis ich satt bin. Dann mache ich Mittagsschlaf und hole Nachschlag. Und wenn irgendwann das Geld alle ist, mache ich meinen Laden mit EU-Fördermitteln in Polen wieder auf. Und weil ich Polen nicht so mag, wiederhole ich das Spiel einfach so lange, bis ich irgendwann wieder in Deutschland ankomme. Darum kreiseln diese Windräder auch immer so, die sind nichts anderes als Symbole für Förderpolitik.

Aber zurück zum Anfang: Wie schaffe ich es, nicht gefunden zu werden? Da gibt es auch ein gutes Vorbild, nämlich das Dommuseum, das deshalb Ottonianum heißt, damit niemand sofort auf die Idee kommt, dass es irgendetwas mit dem Dom zu tun hat. Und wenn jetzt auch noch vorne ganz groß der Schriftzug des Vermieters prangt, dann traut sich erst recht keiner rein, der nicht vor hat, eine Wohnung zu mieten. Jetzt im Winter brütet noch ein fetter Spatz als Leuchtgebilde neben dem Haus und glotzt so bratzig in der Gegend herum, dass erst recht keiner ein Museum vermutet. Also mache ich das auch so. Vorne steht dann ganz groß „Schlachterei“, weil mein Vermieter eigentlich gelernter Metzger ist. Meinen Eingang verlege ich an die Seite und schreibe „Frisurianum“ darüber. Und genau so wie der Dom beim Dommuseum steht, muss jetzt noch nebenan ein riesengroßer Perückenverleih eröffnen, der allen Vorübergehenden kostenlose Mottenfifis anbietet. Schließlich kostet ja der Dom auch keinen Eintritt.

Sollten sich jetzt doch Kunden einfinden, kann ich nichts dafür. Die paar schneide ich dann schon so zurecht, dass sie garantiert nicht wiederkommen, wobei ich nichts gegen das Dommuseum gesagt haben möchte. Aber ohne Domschatz ist so ein Haus, in dem man alte Scherben anschauen kann und Nachbildungen von Originalen, eben nicht ganz so toll wie der echte Dom. Aber vielleicht sollten sie sich Windradbude nennen, dann gibt es so viel Fördermittel, dass man problemlos einen Domschatz kaufen kann. Oder die Steine aus dem blauen Gewölbe in Dresden.

In diesem Sinne: Der Nächste bitte. | Wort-Coiffeur Lars Johansen

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