Salongeflüster – Wort-Coiffeur Lars Johansen

In letzter Zeit wurde ich öfter mal gefragt, ob ein Friseur überhaupt eine Glatze haben darf. Das sei doch keine gute Werbung.

Die Leute haben natürlich recht. Haarwuchsmittel verkaufst du so nicht. Und beim Schneiden machen sich die Kunden Sorgen, ob der Kahlkopf ihnen nicht die Haare klauen will, weil er ein fanatischer Anhänger von haarlosen Häuptern ist. Dann taucht zwangsläufig die Frage auf, ob es sich um krankheitsbedingten Haarausfall handle und man sich anstecken könne. Nein, Glatzen sind nicht ansteckend, außer es sind politische Glatzen und dann ist die Ansteckungsgefahr auch nicht so groß, wenn man sich schützt. Und am besten schützt da Demokratie. Die lässt zwar die Haare auch nicht besser wachsen, aber wenigstens ist die Frisur frei wählbar und es wird kein Einheitsschnitt vorgeschrieben, den alle tragen müssen, egal, ob Frauen oder Männer, blond oder schwarzhaarig, lockig oder glatt. Und dann sagen viele, dass Demokratie gut sei und sie hätten nur wegen dieser Thüringer Brat- wurst gefragt, die für einen Tag Ministerpräsident gewesen sei. Darauf sage ich immer: Zum einen ist dieser Aushilfsfriseur eigentlich eine Aachener Printe und endlich passt da der Name MINIsterpräsident mal ganz gut, denn ein MAXIsterpräsident ist man in dieser Rekordzeit wirklich nicht. Immerhin hat er damit 93.000 Euro verdient, das ist für einen Tag ein guter Verdienst. So viel Haare kannst du gar nicht schneiden, um daran zu kommen. Und dazu die Werbung, die ist unbezahlbar. Ab jetzt ist er Starfriseur. Dagegen kann der Udo Walz einpacken.

Na gut, in Thüringen gibt es jetzt nicht so direkt Stars und nicht jeder möchte hinterrücks eine von den Blauen tolerierte Tolle geschnitten bekommen. Doch solange man danach nicht aussieht wie der semmelblonde Björn oder Bernd oder wie das da heißt, so lange kann man sich auf der Straße noch problemlos sehen lassen. Aber am Namen muss mein Kollege noch arbeiten: Kemmerich, das klingt noch nicht gut.

Wenn schon, dann sollte es besser Kämmerich heißen, damit man den Kamm drin hat und den kann er dann auch gerne so lange blasen bis er schwillt. Das klingt jetzt nicht so, wie ich es eigentlich meine. Dann soll er eben in der Butter liegen. Und ich will ja auch nicht alle Thüringer Glatzen über einen Kamm scheren. Ich wollte nur meinen Senf dazu geben, also zur Wurst. In diesem Sinne: Der Nächste bitte. Lars Johansen

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