Mittwoch, September 28, 2022
Anzeige

Scharfe Sprüche: Beiköche des Berichtswesens

Anzeige

Folge uns

Die sprachliche Erhitzung über die Sommerhitze ist das aktuelle Top-Gericht auf der Pressespeisekarte. Nun ist, was man der Presse entnimmt, naturgemäß platt. So sagt es Alexander Eilers. Da haben wir schon mal den Unterschied zum Würstchen herausgearbeitet, das ja bekanntlich ein länglich rundes Ding ist. Doch zurück zu den Sommertemperaturen. Offenbar haben die meisten Medienleute noch niemals in einer Imbissbude mit Grill und Fritte gearbeitet oder eben in einem Dönerladen. Da läuft im Sommer das Arbeitsklima auf Hochtouren und im täglichen Schweiß könnte man eine Poolparty feiern.

Nun will ich mal ganz sachlich sein: im Job braucht es täglich klare und konkrete Ansagen, damit alles funktioniert. Beim Bestellen, beim Zubereiten und innerhalb der betriebsinternen Abläufe. So etwas scheint den Medienleuten oft enorm schwer zu fallen. Entweder verbiegen sie sich in sprachlichen Pirouetten oder, was immer häufiger vorkommt, sie quetschen eine Botschaft derart zusammen, das im Kern ein Diamant entsteht, der jede Realität bis zur Unkenntlichkeit zerkratzen kann. Presse und Druckerzeugung – das gehört ganz eng zusammen. Hey, ich will natürlich nicht alle Schreiber- und Rederlinge über einen Kamm scheren, aber so ein bisschen Zurückhaltung gegenüber den Tatsachen, die sie in ihren Redaktionsküchen mit Wortwürze schärfen, wäre bestimmt hilfreich. Den Zusammenhang, dass die Verkürzung von Sachverhalten oder einseitige Berichte auch zu Denkverknappung bei Mediengästen führt, sollten sie sich stets vor Augen halten. Und sich vor allem nicht im Nachhinein darüber wundern, dass sich zahlreiche Informationsgenießer abwenden oder dass sich anderenfalls bei Info-Junkies Fastfood-Hirne ausbilden.

Einige werden sich sicher fragen, was Olaf mit seiner Soßentextur hier eigentlich mitteilen will? Ganz einfach: Mit der Ware Nachricht ist es wie mit dem Essen. Jeder kocht zusammen, was er gut kann und alle essen, was ihnen besonders gut schmeckt. Kein Restaurant kann es allen Gästen recht machen und Medien können das auch nicht. Egal, wie aufgeklärt, wissend oder sprachgewandt sich Berichtsbeiköche selbst sehen wollen. Sterneköche sind wie Pulitzer-Preisträger Ausnahmeerscheinungen ihres Fachs und temporär befristete Kochgenies. Und da schließt sich der Kreis zu Olaf. Manchmal gelingen mir Wunderwürstchen der Extraklasse und an anderen Tagen kommen eben nur Würstchen der Extraklasse auf den Grill. Aber die schmecken stets rund und knackig und nie platt und fahl.
Bis gleich, Euer Olaf vom Hassel.

WEITERE
Magdeburg
Leichter Regen
11.7 ° C
11.7 °
11.7 °
80 %
2kmh
100 %
Mi
12 °
Do
15 °
Fr
16 °
Sa
13 °
So
15 °

E-Paper