Scharfe Sprüche: Probleme mit Problemen

Querdenken ist nicht so meine Sache. Ich versuche mich eher, mit Geradeausdenken durchs Leben zu bringen. Allerdings kann ich mich auch schon querstellen, wenn mir was gegen die Hutschnur geht. Und wie Ihr wisst, lege ich Würstchen gern quer auf den Grillrost. So ganz kann ich das Verquere nicht vermeiden. Ich glaube auch nicht, dass bei jedem stets alles geradeaus läuft. Leben erscheint mir doch als eine ziemlich knifflige Sache, die man nicht einfach mit rechts, links, oben, unten, Schwarz-Weiß, horizontal und vertikal erklären könnte. Selbst kreuzweise hilft das selten weiter. Ein guter Freund von mir, der gern küchenphilosophisches Psychogeschwurbel absondert, hat mal den Spruch geprägt: Auf feste Standpunkte trifft man oft an Kreuzungen ohne Wegweiser. Über den Satz musste ich lange nachdenken. Ihr wisst ja, dass mein grau melierter Kopfschmuck auf lücken-senile Synapsen-Verschaltungsträgheit hindeutet. Aber beim zweiten Durchwursten der Worte hatte ich den Curry als Fazit zusammengerührt. Rühren ist übrigens eine tolle Küchenvokabel, die Bewegung und Tun beinhaltet und nicht Ausharren und Abwarten, bis ein Problem vorübergezogen ist. Ich weiß, es gibt auch den Satz: Manche Dinge erledigen sich von selbst. Allerdings haben dann oft andere das erledigt. Eigentlich wollte ich nur auf das Wort Problem kommen und habe bis dahin die Hälfte des Druckplatzes verschwendet. Mir schwant nämlich, dass wir heute Probleme mit Problemen haben. Also einer macht den Mund auf und spricht einen Satz – von mir aus kann er ihn auch hinschreiben – und sofort wird man überschüttet von Zurechtweisungen, Ablehnung, Diffamierung und so weiter. Kinder, wer ein Problem hat, soll es sagen. Das ist Meinungsfreiheit. Wer ein Problem damit hat, dass ein Problem angesprochen wird, hat ein Problem, zumindest mit dem Wörtchen Meinungsfreiheit. Wer mit dem Problem über das Problem ein Problem hat, ist ein Problemfall. Natürlich muss nicht jede Äußerung die ganze Wahrheit sein. Oft ist es verkürzt gesagt, zugespitzt formuliert und unsensibel wiedergegeben. Aber ein Sternchen im Wort macht noch keine Gerechtigkeit und niemanden satt. Auf jeden Fall sind Sterne in Wörtern für mich eine echte Querdenkersache. Alles, was sich gegen Bisheriges wendet, ist ein querstehender Denkansatz. Okay, ich will es hier mit dem Denken nicht überstrapazieren, da bleibe ich lieber rührig. Das muss man nämlich als Gastronom in diesen Zeiten, in denen alles zur Normalität quergestellt ist. Vielleicht war vor dem Querdenker ein anderer Querdenker und nun zeigt der eine mit dem Finger auf den anderen. Ich glaube manchmal, wir warten da auf das Mädchen, dass mit dem Finger auf den Kaiser zeigt und ruft, „aber er hat ja nichts an.” Jedenfalls wird bei mir Wurstmasse noch gerade in den Darm gestopft, auch wenn Ihr Euch querlegt.
Bis gleich, Euer Olaf vom Hassel.