Schaubühne Magdeburg: Immer auf der Suche

Ob Thron für den König oder historischer Backofen wie im vorigen Jahr beim Märchen von Schneewittchen im Haus der Zwerge, der Blick fürs besondere Detail ist die Leidenschaft von Werner Becker. Seit zehn Jahren ist er bei der Schaubühne für die Ausstattung zuständig, ob Zaun oder kleiner Hocker, ob Omas Suppentopf oder Spinnrad. „Es findet sich einfach immer wieder etwas“, sagt der 68-Jährige. Auch seine Familie trägt dazu bei. So fand er den wunderbaren alten, gusseisernen Herd für Schneewittchen durch seine Mutter in einer Scheune. Er hat ihn entkernt und für die Märchenaufführung der Schaubühne hergerichtet. Mittlerweile ist eine ganze Garage mit Utensilien gefüllt, sodass er für die Schaubühne aus dem Vollen schöpfen kann. Vor allem aber hat Werner Becker Freude am Basteln, Schrauben, Werkeln. Wann immer etwas für die Inszenierungen des Theatervereins zu machen ist, wissen die Akteure: Werner bekommt das hin!

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Zur Schaubühne kam er zufällig, durch eine Straßenbegegnung. Er traf eine Bekannte, die zu jener Zeit zum Theaterensemble gehörte. Komm doch mal vorbei, lockte sie – und er ging. Auf die Bühne jedoch wollte er nicht. „Das ist nicht meins“, sagt er noch heute. Allerdings hat er sich „inkognito“ doch ein paar Mal dazu hinreißen lassen. Als die Märchen im Theater in der Grünen Zitadelle präsentiert wurden, griff er nach den Vorstellungen zu Bart und rotem Mantel und erfreute die Kinder als Weihnachtsmann mit Süßigkeiten. Die Erinnerung lässt ihn lächeln, während er das erzählt. Gleichzeitig klingt er etwas traurig, dass im großen Saal des AMO diese Tradition nicht fortgeführt werden kann. Für solche Aktionen sind es zu viele Besucher, damit ein zu großer, vor allem finanzieller Aufwand für den kleinen Verein. Stattdessen jedoch können viel mehr kleine und große Märchenfreunde als vorher die Veranstaltungen besuchen, „das ist wunderbar“.

Derzeit wird die neue Inszenierung vorbereitet. Vom 11. bis 13. Dezember erobert das Märchen vom „Rumpelstilzchen” die Bühne im AMO. Die Ausstattung wird derzeit von Werner Becker vorbereitet. Er ist viel unterwegs, eigentlich immer in Aktion. Ruhig sitzen, ist nicht so seins. Er wirkt jünger als sein Geburtsjahr verrät. Vielleicht liegt das an den Genen, vielleicht aber auch daran, dass er immer viel Sport gemacht hat. Der hatte den gebürtigen Langensteiner einst auch nach Magdeburg geführt, an die Sportschule. Als Leichtathlet gehörte er zu den Besten, nahm an Länder- und Vergleichskämpfen teil. Er hält sogar noch einen Rekord im 100-Meter-Hürdenlauf. Später machte er die Ausbildung zum Kampfrichter und ist als solcher noch tätig, vor allem in Sachsen-Anhalt, vereinzelt auch landesweit. Der Sport, so sagt er heute, habe ihm Disziplin beigebracht und dass man sich engagieren muss, um etwas zu erreichen. Was er beginnt, will er immer möglichst perfekt erledigen. Das macht auch die Ausstattung der Bühnenpräsenz sichtbar.

Beruflich begann es für ihn beim SKET Magdeburg. Werner Becker absolvierte neben dem Sport eine Ausbildung zum Stahlbauschlosser. Später wechselte er in den Handel, wurde innerhalb eines halben Jahres Filialleiter eines Supermarktes. Weil man sich auf ihn verlassen kann und er sich nicht scheut zuzupacken. Geschätzt wird ebenso seine ausgeglichene Art und die stets gute Laune. „Ich fange jeden Tag mit einem Lächeln an und freue mich, wenn die Sonne scheint.“ Sagt es und sein Lächeln wirkt ansteckend.

Dass jetzt ein Beitrag nur über ihn erscheint, macht ihn eher verlegen. Im Mittelpunkt zu stehen, ist nicht so seins. „Wichtig ist das Ensemble“, sagt Werner Becker, „und das leistet Großartiges“. Immer wieder freut er sich bei den Aufführungen über die glücklichen Kinder. Einen Teil dazu beitragen zu können, macht auch ihn glücklich. „Es gibt nichts Schöneres.“

In diesem Jahr werden die Veranstaltungen nach neuem Hygienekonzept durchgeführt. So gibt es u. a. zwischen den Vorstellungen längere Pausen, in denen desinfiziert wird. Eintrittskarten für das Weihnachtsmärchen gibt es im Vorverkauf, Gruppenanmeldungen sind zudem direkt bei der Schaubühne möglich per E-Mail an die Adresse kassenwart@schaubuehne.de | Birgit Ahlert

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