Montag, November 28, 2022

Schüler führen durch „ihr“ Museum

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Leise murmelnd bewegt sich eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse des Hegel-Gymnasiums durch die Ausstellung „Faszination Stadt – Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht“, die noch bis zum 2. Februar 2020 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu sehen ist. Während der Aspekt, dass sich junge Menschen im Schulunterricht in einem Museum bilden, wenig aufsehenerregend ist, wirkt die Tatsache, dass die kleine Gruppe von einem Gleichaltrigen durch die Ausstellung geführt wird, recht außergewöhnlich. Jonathan Sickert besucht ebenfalls die 10. Klasse des Hegel-Gymnasiums – ein Zufall, dass er an diesem Tag Mitschülern der Parallelklasse einen Einblick in das Magdeburger Recht gewährt. Er weist auf Exponate hin, erläutert dazu Details, erzählt Wichtiges zum Sachsenspiegel und lässt die Schülerinnen und Schüler eine mittelalterliche Gerichtsszene durchspielen.

An Jonathans Seite, sich stets im Hintergrund haltend: Janina Lamowski, Museumspädagogin, die das Projekt „Schüler führen Schüler“ leitet. „Eigentlich sollten die Schüler immer zu zweit durch die Ausstellung führen, doch Jonathans Partner hat die Schule gewechselt, weshalb er das allein übernommen hat. Für den Fall, dass Jonathan Unterstützung braucht, bin ich dabei“, erklärt Janina Lamowksi. Doch das sei bislang nicht der Fall gewesen. Bereits im vergangenen Schuljahr vor den Sommerferien war das Projekt, das durch die Stadtsparkasse Magdeburg und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gefördert wird, gestartet. Die Teilnehmer – allesamt Hegel-Gymnasiasten – hatten sich an drei Projekttagen im vergangenen Schuljahr und an zwei Projekttagen nach der Ausstellungseröffnung im September 2019 auf ihre große Aufgabe vorbereitet. „Zudem haben sie viel von ihrer Freizeit investiert, um die Führungen vorzubereiten und zu planen“, sagt die Museumspädagogin anerkennend. Im Oktober sei die Ausbildung schließlich abgeschlossen worden.

Vor allem der Blick hinter die Kulissen war für die Projektteilnehmer interessant. „Die Bereiche, die man als Besucher normalerweise nicht zu sehen bekommt – beispielsweise die Bibliothek, die Werkstätten, die Magazine. Das war wirklich spannend“, meint Jonathan. Die Zwillinge Amelie und Emilia Smolarek, die parallel zu Jonathan die andere Gruppe der Zehntklässler durch die Ausstellung geführt haben und zum kleinen Kreis der insgesamt fünf Schüler zählen, die die Projektvorbereitung erfolgreich beendet haben, sind von „Schüler führen Schüler“ ebenfalls begeistert. „Neben dem Blick hinter die Kulissen waren die Einblicke ins Mittelalter anhand des überlieferten Wissens und der Objekte sehr spannend“, sagt Emilia und Amelie ergänzt: „Wir haben in diesen Wochen und Monaten nicht nur vieles über die Arbeit im Museum und über das Mittelalter und die Stadt Magdeburg zu dieser Zeit erfahren. Das war auch für uns persönlich eine einmalige Chance, gewisse Fähigkeiten zu schulen.“
„Sie haben sich in dieser relativ kurzen Zeit auf vielen Ebenen weiterentwickelt“, sagt Museumspädagogin Janina Lamowski. „Beispielsweise die Verantwortung zu übernehmen, Besucher durch eine Ausstellung zu führen und ihnen ihr Wissen zu vermitteln. Auch das Thema Kommunikation hat dabei eine große Rolle gespielt. Zudem war ihre Selbstständigkeit gefordert – von der Auswahl der Exponate bis hin zur Konzeption ihrer Führung.“ Fähigkeiten, die sie auf ihrem weiteren Lebensweg benötigen werden, sind sich Amelie, Emilia und Jonathan sicher. Mehr als zehn Führungen haben die fünf Hegel-Gymnasiasten inzwischen absolviert. Die erste sei nicht perfekt gewesen, aber bei jeder weiteren Führung hätten sie sich sicherer gefühlt. „Es ist auch spannend, wie unterschiedlich sich die Führungen gestalten, da sich die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld aussuchen konnten, worauf sie ihr Hauptaugenmerk legen wollen“, meint Janina Lamowski.

Obwohl es schwierig gewesen sei, das Projekt in Absprache mit der Schule zu koordinieren, empfindet die Museumspädagogin die Umsetzung als Erfolg. „Natürlich war es nicht leicht, unser Programm mit dem Gymnasium abzustimmen – es muss so viel beachtet werden, von Klausuren über andere schulische Aktivitäten bis hin zu den Öffnungszeiten des Museums. Aber das Ergebnis, das am Ende dabei herausgekommen ist, ist wirklich beeindruckend und motivierend, auch in Zukunft solche Langzeitprojekte durchzuführen.“ Tina Heinz

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