Schuh-Erhard: Vom Instandhaltungsmeister zum Schuh-Fachmann

Allmählich kehrt auf dem Nordabschnitt des Breiten Wegs wieder Leben ein, auch wenn die Laufkundschaft noch deutlich geringer ausfällt als vor dem Ausbruch des Coronavirus und den damit einhergehenden Maßnahmen. „Die Zahl der Studenten, die hier vorbeikommen, die Reisebus-Touristen und die Menschen aus der Umgebung, die zum Einkaufen in die Stadt kommen, ist merklich geringer und daran wird sich auch so schnell nichts ändern“, meint Karl-Heinz Erhard. Vor fast 15 Jahren hatte er sein Schuhgeschäft, mit dem er sich auf Unter- und Übergrößen spezialisiert hat, in der autofreien Zone des Breiten Wegs eröffnet und es inzwischen an seine Tochter Katrin übergeben. Trotz der Herausforderungen, die das Jahr 2020 mit sich bringt, bleibt der 74-Jährige optimistisch.

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„Wir haben in unserer Nachbarschaft schon etliche Gewerbetreibende kommen und gehen sehen“, erzählt Karl-Heinz Erhard. „Und gerade in der Anfangszeit war es ein risikoreiches Unterfangen, das Geschäft hier an dieser Stelle in Magdeburg zu eröffnen. Der Nordabschnitt des Breiten Wegs war damals wenig attraktiv und es gab kaum Laufkundschaft. Aber nach und nach hat sich das zum Positiven gewendet.“ Auch weil die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg, in deren Hand sich der Großteil der Flächen in diesem Bereich befindet, auf das Miteinander der Gewerbemieter achte.

Das Schuhgeschäft im Breiten Weg 32 ist nicht das erste, um das sich die Erhards kümmern. Karl-Heinz Erhard, der früher als Instandhaltungsmeister beim Elektromotorenwerk Wernigerode tätig war, machte sich nach der Wende selbstständig und eröffnete in Wolfen-Nord ein Service-Geschäft für Schlüsseldienst und Schuhreparatur. „Im Gespräch mit den Kunden hat sich herauskristallisiert, worauf die Menschen Wert legen, was sie brauchen und in den 1990-er Jahren waren das vor allem Kinderschuhe.“ Also ließ Karl-Heinz Erhard den Schlüsseldienst außen vor und konzentrierte sich auf das Schuhgeschäft. Neben einer Filiale in Dessau kamen noch Standorte in Brehna, in Halle und 2006 in Magdeburg hinzu.
„Einige Standorte mussten wir aber wieder schließen, weil sich schon Ende der 90er ein Wandel in den kleineren Städten bemerkbar machte“, schildert der 74-Jährige. Dessau, Halle und Magdeburg blieben übrig, bis sich die Familie entschied, das Geschäft in Dessau zu schließen. „Im vergangenen Jahr mussten wir schließlich auch in Halle aufgeben. Das hing jedoch mit dem Eigentümerwechsel zusammen – die neuen Vermieter hatten andere Pläne für ihr Objekt, sämtliche Gewerbemieter mussten ausziehen.“ In Zeiten von Corona-Krise und Stillstand sei es aber nicht verkehrt, wenn man sich auf einen Standort konzentrieren könne, fügt Karl-Heinz Erhard an und meint damit vordergründig seine Tochter. Ihr hat er zu seinem 70. Geburtstag die Geschäfte übergeben. „Seitdem bin ich hier Mädchen für alles“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Wenn es mal kleinere Arbeiten zu erledigen gibt – Regal umbauen, Glühlampe austauschen oder Ware etikettieren –, dann helfe ich gern aus.“ Zumal es nicht einfach sei, etwas aus den Händen zu geben, das man selbst aufgebaut hat.
Am Konzept ihres Vaters hat Katrin Erhard nichts verändert. Im Unternehmen dreht sich alles um bequeme Schuhe von Unter- bis Übergrößen. Damenschuhe in den Größen 33 bis 45 gibt es ebenso wie Herrenschuhe in den Größen 39 bis 50 und Sportschuhe in den Größen 47 bis 52. Auch mit Schuhen mit auswechselbarer Fußbettung und mit Überweiten bis Weite M werden die Kunden versorgt. Von klassisch chic bis sportlich-elegant sind zahlreiche Marken im Sortiment vertreten. Und die Mitarbeiter nehmen sich gern Zeit für eine ausführliche Beratung. Tina Heinz

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