Samstag, Oktober 16, 2021
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Smaragdenstadt verzaubert im Harz

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Durch Wald und Flur im Harz ziehen bunte Wesen, Hexen, Affen, ein Löwe, ein Blechmann und einer aus Stroh. Wohin die Reise geht? Zum Zauberer von Oz – in die Smaragdenstadt. Märchenhaft inszeniert von der Schaubühne Magdeburg. | Von Birgit Ahlert

Eine große Gruppe Schauspieler, Ausstatter und Helfende reist an einem Freitag von Magdeburg in Richtung Halberstadt. Ihr Ziel ist der kleine Ort Langenstein. In der Nähe des Goldbachs zeigt sich die Natur wie in einer Märchenwelt. Wälder, Wiesen und Wanderwege, als Attraktion dazu in Deutschland einzigartige Höhlenwohnungen. „Wir haben diesen Ort gesehen und wussten sofort: Hier muss unser nächstes Märchen spielen!“, sagt Knut Müller-Ehrecke, der seit Jahren als Regisseur für den Schaubühne Magdeburg e. V. tätig ist. In jedem Jahr verzaubert die engagierte Theatercrew ihr Publikum in der Vorweihnachtszeit – jedes Mal mit einem anderen Märchen. Doch im Freien haben noch keine Vorstellungen stattgefunden. Wird das Publikum im Dezember in den Harz reisen müssen?

Keine Bange, beruhigt der Regisseur, als Spielort ist bereits das AMO-Kulturhaus reserviert. Doch ungewöhnliche Zeiten befördern ungewöhnliche Ideen. So auch bei der Magdeburger Schaubühne. War doch im vorigen Jahr das Weihnachtsmärchen sozusagen ins Wasser, oder präziser gesagt: Corona zum Opfer gefallen. Rund ein Jahr Vorbereitung, zahlreiche Proben, Arbeiten für Kostüme und Bühnengestaltung – alles umsonst. Ganz zu schweigen von den traurigen Kinderaugen bei der Absage des Theaterstücks. „All das wollen wir in diesem Jahr unbedingt vermeiden“, erklärt Knut Müller-Ehrecke. Mit dem Prolästerrat, dem Kabarett für StudienUNgelegenheiten, hatte er bereits zuvor ein Filmprojekt umgesetzt („Magdeburg. Eine Stadt für alle – ein Auftrag für zwei“). Fast automatisch entstanden kreative Ideen für weitere Projekte. Allen voran: Das Weihnachtsmärchen der Schaubühne Magdeburg! Ein Film ist nicht nur eine wunderbare Ergänzung des Theaterstücks, so war man sich schnell einig, es macht auch unabhängig von allen Widrigkeiten der Tagesentwicklung. Obwohl sie nicht davon ausgehen, dass ein weiterer Lockdown oder Ähnliches das Leben erneut lahmlegen, sind die Künstler auf derlei Unannehmlichkeiten besser gewappnet als zuvor. „Wir wollen keinesfalls in diesem Jahr die kleinen und großen Freunde unserer Aufführungen ohne Weihnachtsmärchen in die Adventszeit starten lassen“, sagt Peggy Meinecke. Von ihrem Autorenteam stammen die Textbücher all der schönen Märchen, die bereits seit über zehn Jahren das Publikum erfreuen. Ob Grimmsche Vorlagen oder Fernsehfilme – ob „Schneewittchen“ oder „Das singende klingende Bäumchen“, facettenreich gestalten sich die Inszenierungen. Auch für 2021 haben die Autoren die Feder gespitzt bzw. sich an den Computer gesetzt, um aus einem märchenhaften Buch ein reales Theaterstück entstehen zu lassen. Besser gesagt: aus zwei Büchern in diesem Jahr. Denn „Der Zauberer von Oz“ und „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ erzählen beide die Geschichte von ungewöhnlichen Wesen in einer märchenhaften Welt. Das Mädchen Elli, nach einem Wirbelsturm im Land der Munchkins gelandet, möchte wieder nach Hause. Der große Zauberer von Oz könne ihr helfen, erfährt sie. Doch den muss sie erst einmal finden. Auf ihrem Weg in die Smaragdenstadt begegnet sie unter anderem Stroh- und Blechmann sowie Feigem Löwen, die alle drei ebenfalls Wünsche haben: Verstand, Herz und Mut. Ob der Zauberer ihnen helfen kann? Gemeinsam machen sie sich auf die Suche und bestehen dabei so manche Abenteuer… „Unserem Autorenteam G.K.P. Mei­necke ist ein fantastisches Konglomerat aus beiden Märchen gelungen“, macht Knut Müller-Ehrecke neugierig auf die Inszenierung.

Viele Rollen gab es diesmal zu vergeben. Bei den Dreharbeiten in Langenstein wirkten 40 Personen mit, darunter die Schauspiel-AG des Domgynmasiums. Masken und Kostüme sind von Kerstin Liebe, mit Unterstützung des Theaters Magdeburg. Mit Kameras haben der Regisseur und Marko Pohlodek das Schauspiel aufgezeichnet. Sie erzählen von manch‘ lustiger Begegnung am Rande. Vor allem Wandernde blieben staunend stehen, um das Treiben zu beschauen. Manchmal sogar inmitten des Geschehens. Zwei Spazierende wollten sich sogar einbringen. Von all dem hat sich die Crew nicht aus der Ruhe bringen lassen. „Wir hatten unglaublich viel Spaß an diesen zwei Tagen“, sagt Müller-Ehrecke und betont „die großartige Unterstützung vor Ort“.
Diesen Dreharbeiten folgen weitere, bevor das Bildmaterial zu einem Film zusammengeschnitten wird. Dann gibt es von der Schaubühne Magdeburg das erste Märchen für Zuhause. Als Zusatzangebot zu den Aufführungen auf der Bühne. Zu erleben sein wird „Der Zauberer von Oz“ vom 10. bis 12.Dezember, zweimal täglich, im AMO-Kulturhaus. Durch das Märchenstück führt – wie traditionell in jedem Jahr – wieder der „Till“ (im Einzelfoto zu sehen), als Magdeburger Original.

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