Freitag, September 30, 2022
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Sorgenfrei – aber nicht auf Hawaii

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Wie der 1. FC Magdeburg an seine Aufgaben in der für ihn neuen zweiten Fußball-Bundesliga herangeht. | Von Rudi Bartlitz

Als Sportchef Otmar Schork nach dem Ziel der FCM-Fußballer für die neue Saison befragt wurde, reduzierte sich seine Antwort auf ein einziges Wort: sorgenfrei. Dass er dabei den alten Falco-Hit „Ich leb´ sorgenfrei auf Hawaii“ im Sinn hatte, darf bezweifelt werden. Aber der Begriff „sorgenfrei“, der schien es ihm in der Eröffnungspressekonferenz zur – für den Verein nach dreijähriger Abstinenz – neuen zweiten Bundesliga angetan zu haben. Nein, zu Tabellenplätzen und eventuellen Erwartungen wollte er sich nicht äußern. Prinzipiell nicht. Dennoch sei das Ziel „relativ einfach“ zu beschreiben: eben sorgenfrei zu sein – und es bis Ende Mai 2023 zu bleiben. Man besitze, fügte er noch hinzu, „keine Angst vor dieser Spielklasse“, gehe aber ebenso wenig „arrogant oder überheblich“ an die Aufgabe heran.
Nun denn, den Nerv der Anhänger dürfte Schork mit seiner Ein-Wort-Grundaussage durchaus getroffen haben. Zumindest dann, wenn man sorgenfrei so übersetzt: mit dem Abstieg möglichst in keiner Phase etwas zu tun zu haben. Genau das ist es, was die immer größer werdende Schar der blau-weißen Fans wenige Tage vor dem Saisonstart am kommenden Sonnabend gegen Fortuna Düsseldorf am meis-ten umtreibt. Und was sie sich vom Team erhofft. Nur nicht wieder in eine Saison reinschlittern, in der, wie 2018/19, am Ende die bittere Pille geschluckt werden musste, der FCM als Tabellenvorletzter nach unten durchgereicht wurde. Als zunächst der, für viele Außenstehende damals zu früh freigestellte, einst hochgelobte Aufstiegs-Trainer Jens Härtel und anschließend auch dessen Nachfolger Michael Oenning an der Aufgabe scheiterten, das leckgeschlagene Boot über Wasser zu halten.
Damals war für den FCM in Liga zwei noch vieles, wenn nicht sogar alles neu. Der entscheidende Grund, warum die Klasse nicht gehalten werden konnte, lag wohl darin, dass man nach dem gewaltigen Parforceritt durch die dritte Liga (mit einem Rekordergebnis von 85 Punkten) die Zeichen der Zeit gehörig unterschätzte. Soll heißen: in der zweithöchs-ten Klasse wehte ein ganz anderer Wind. Nichts für Ball-Legastheniker. Dynamischer, schneller, kraftvoller, ideenreicher ging es da zu. Das hatte man einfach unterschätzt. Darauf war man nicht (oder nur schlecht) vorbereitet. Der (vor allem auf eine stramme Defensive gerichtete) Erfolgsstil der dritten Liga reichte einfach nicht mehr. Die Quittung, die folgte, war bitter.
Diesmal deuten die Zeichen in eine andere Richtung. Nicht nur, dass Cheftrainer Christian Titz einen zum Härtel-System völlig konträren, auf Angriff ausgerichteten Fußball spielen lässt. Der 51-Jährige – der den FCM im Frühjahr 2021 erst vor dem Absturz in die Regionalliga rettete, um ihn dann, in einem Atemzug quasi, auf einen Spitzenplatz in Liga drei zu katapultieren – baut auf seine erprobte Stammformation der Vorsaison. Da greifen Automatismen. „Das Wichtigste war“, sagt er, „die Basis zu halten.“ Das sei „in fast allen Fällen“ gelungen. Nach den Worten von Titz betrifft das etwa 18 Spieler. In einer Wunsch-Stammformation, die sich wenige Tage vor dem heißen Start abzeichnet, würden (ohne Verletzungsausfälle) denn wahrscheinlich neun Akteure aus der Meisterelf von 2022 stehen. Aussehen könnte sie so: Reimann – El Hankouri, Lawrence, Bittroff, Bell Bell – A. Müller – Krempicki, Conde – Ceka, Atik, Ito. Dahinter lauern, glaubt man dem Trainerstab, mit Cacutalua, Gnaka, Stappmann, Kwarteng, Rieckmann, Brünker, Schuler, Scienza und Kath nahezu gleichwertige Kräfte.
„Wir wollen unser Spiel durchsetzen“, beschreibt Titz das, worauf es ihm in der neuen Liga ankommt. Das ist gewiss mutig. Wobei die Betonung ebenso auf „unser“ wie auf „Spiel“ liegt. Das meint: „Den Gegner anlaufen, hohes Pressing, eigene Spielanlage durchsetzen.“ Man wolle versuchen, „gegenüber der Vorsaison in vielen Bereichen zuzulegen.“ Dass der Übungsleiter nicht so blauäugig ist, offenkundige Schwachstellen der zurückliegenden Monate auszublenden, zeigt sein Verweis darauf, dass es im neuen Kader darauf ankomme, vor allem in der Innenverteidigung und auf den Außenbahnen etwas tun zu müssen.
Als einen Schwerpunkt bezeichnet Titz die sogenannte Restverteidigung. Vulgo: Gemeint sind damit jene Spieler des eigenen Teams, die nach Ballverlust das Umschaltspiel – sprich den Konter – des Gegners verteidigen sollen. „Es geht vor allem darum“, doziert der Coach, „wie wir uns da aufstellen.“ Eine ganz andere Frage, die sich quasi auf der gegenüberliegenden Rasenhälfte abspielt, ist die: Wie gelingt es ihm, mit einem Wichtel-Sturm (keiner der Angreifer Atik, Ceka und Ito überragt die 1,70-Meter-Schallmauer) die stämmigen Verteidigungsketten der etablierten Zweitligisten auszuhebeln und durcheinander zu wirbeln. Das zu beobachten wird eine der spannendsten Fragen der nächsten Monate sein.
Es scheint also alles gerüstet für einen furiosen Auftakt unter der besonderen Atmosphäre des Sonnabendabend-Flutlichts (Beginn: 20.30 Uhr). Die Zahl der Testpartien hielt sich in überschaubaren Grenzen, fünf gegen unterschiedlich starke Kontrahenten bestritten die Magdeburger, vier davon wurden gewonnen. Nur gegen Bundesligist Union Berlin setzte es eine Niederlage (1:4). Gegen den niederländischen Erstligisten SC Cambuur hingegen sprang zuletzt ein 4:2 heraus. Titz nahm es zufrieden zur Kenntnis. Und sein Mittelfeld-Antreiber Amara Conde meinte: „Wir haben keinen Grund, uns vor irgendjemanden zu verstecken.“ Die Fans werden es mit Genugtuung registriert haben.

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