Montag, September 26, 2022
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Spielen mit den großen Jungs

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Die Rückkehr in die Champions League nach zwei Jahrzehnten

Abwesenheit stellt eine neue Herausforderung für den deutschen Handballmeister dar. Warum die Schatten der Vergangenheit ein für allemal weg sind. SCM-Geschäftsführer Marc Schmedt im Interview über die Vorbereitungen auf die kommende Saison, den Tanz auf gleich fünf Hochzeiten und den künftigen TV-Vertrag.

KOMPAKT: Der Gewinn des deutschen Meis-tertitels, der erstmals seit 21 Jahren wieder nach Magdeburg geholt wurde, liegt jetzt gut zwei Monate zurück. Die Vorbereitungen auf die neue Saison laufen. Ist ein Unterschied zu den Vorjahren zu spüren?
Marc Schmedt: Und ob! Vieles von dem, was da Anfang Juni passiert ist, verarbeitet man erst später so richtig. Zumal ja neben der Rolle als Titelverteidiger noch ein weiterer Faktor hinzukommt: Nach knapp zwei Jahrzehnten sind wir erstmals wieder in der Champions League vertreten. Als vor einigen Tagen die Auslosung dafür stattfand, habe ich erstmals so richtig Gänsehaut bekommen angesichts dessen, was uns da alles bevorsteht. Paris, Veszprem und so weiter. Da habe ich erstmals ansatzweise realisiert, was hier eigentlich passiert ist. Aber wir wollten ja immer mit den großen Jungs spielen – und jetzt dürfen wir es. Mit allen Herausforderungen, die das mit sich bringt. Aber darauf haben wir lange Jahre hingearbeitet.

Drei Titel in 13 Monaten

Mit ihren Worten, was ist denn passiert?
Für mich, und das gilt ebenso für meinen Sport-Geschäftsführer-Kollegen und Cheftrainer Bennet Wiegert, sind die Schatten der Vergangenheit ein für allemal weg. Der SCM hatte eine extrem starke Zeit vor der Wende, eine zur Jahrtausendwende – und jetzt haben wir mit drei Titeln (European-League-Gewinner, Vereinsweltmeister, deutscher Meister, d. Red.) in 13 Monaten eine extrem starke Zeit in der Gegenwart. Also bei allem, was an Herausforderungen noch kommen mag, der Meistertitel, der bleibt da stehen. Mit am Ende nur vier Minuszählern war es das beste Ergebnis, das der SCM in seiner Bundesliga-Geschichte je erreicht hat.

Also alles gut, oder?
Nein, so darf man es nicht sehen. Stillstand ist Rückschritt, wir müssen in allen Bereichen noch viel härter arbeiten und weiter wachsen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, zumindest die Chance zu haben das derzeitige Niveau zu halten. Denn der Konkurrenzkampf wird stärker. Aber dem stellen wir uns gern. Auch eingedenk dessen, dass durch die Champions League die Belastung der Spieler noch einmal zunehmen wird. Allein bis Weihnachten stehen 36 Begegnungen auf dem Programm.

Qualität in der Breite

Stichwort Belastung. In die zurückliegende Saison war der SCM erstmals mit einem 17er-Kader gegangen. Eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellte. Bleibt es dabei?
Wir halten auf jeden Fall daran fest. Aber entscheidend ist meiner Meinung nach gar nicht so sehr, ob du einen Spieler mehr hast, sondern es kommt auf die Qualität in der Breite an. Da haben wir einen richtig großen Schritt nach vorn gemacht. Die Mannschaft ist und war, sieht man einmal von der langen Verletzungspause von Moritz Preuss ab, physisch stets in einem guten Zustand. Es ist uns zudem gelungen, wichtige Leistungsträger für die nächsten Jahre zu halten. Dafür sind wir in der Corona-Zeit auch ein gewisses Risiko eingegangen. Es hat sich, wie gesehen, aber bislang ausgezahlt.

Wie steht es um Michael Damgaard?
Wir hoffen, dass er nach seiner notwendigen Operation in der Sommerpause schnellstmöglich wieder zur Verfügung steht.

Wenn wir auf die neue Spielzeit blicken, fällt auf, dass der SCM in diesem Sommer auf ein Trainingslager verzichtet.
Wir haben uns in diesem Jahr gegen ein klassisches Trainingslager entschieden. Zum einen, weil unsere Reise zu einem mehrtägigen Turnier nach Norwegen zumindest Ansätze eines solchen Lagers besitzt, zum anderen, weil wir unseren Aktiven, von denen viele kleine Kinder haben, auch die Möglichkeit geben wollen, in der spielfreien Zeit so oft als möglich bei ihren Familien zu sein, also vor Ort zu trainieren. Als drittes kommt hinzu, dass unser Team nur durch zwei Neuzugänge ergänzt wird, ein „Kennenlernen“ also weitgehend entfällt. Zumal es bei den beiden Schweizern (Lucas Meister und Nikola Portner, d. Red.) keine Sprach- und Kommunikationsprobleme gibt.

Nimmt man den deutschen Supercup gegen den THW Kiel am 31. August in Düsseldorf hinzu, tanzt der SCM diesmal auf fünf Hochzeiten. Gleichfalls ein neuer Rekord. Neben dem Supercup sind es die Champions League, die inoffizielle Vereinsweltmeisterschaft Super Globe, die Bundesliga und der DHB-Pokal.
Genau. Und in Düsseldorf geht es gleich um den ersten Titel. Wir nehmen die Vielzahl der Wettbewerbe durchaus an. In den zurückliegenden Jahren haben wir immer sehnsüchtig nach Kiel und Flensburg und deren internationale Auftritte geschielt. Jetzt sind wir dabei – und wir stellen uns dem und jammern nicht und klagen nicht über zu hohe Belastungen.

Nun wurde der Super Globe, bei dem der SC Magdeburg als Titelverteidiger antritt, zahlenmäßig noch einmal von zehn auf zwölf Teams aufgestockt. Erwartet die Mannschaft Mitte Oktober im saudi-arabischen Dammam also eine, rein von der Belastung gesehen, weitere Mammutaufgabe?
Nein, es bleibt wie im vergangenen Jahr im Höchstfall bei vier Partien. Das Feld wurde dazu nach Mitteilung der IHF in vier Dreiergruppen aufgeteilt. Viel wichtiger erscheint es mir jedoch, darauf hinzuweisen, dass der SCM auf diesem Weltturnier zusammen mit dem FC Barcelona in vorderster Reihe Europa vertritt. Das ist für unsere Stadt und das Land erneut eine große Ehre.

Den SCM positionieren

Womit wir bei der von Ihnen schon öfter erwähnten, dem SCM zugeschriebenen Leuchtturmfunktion wären. Die kommt doch sicher ebenso ins Spiel, wenn es um die Intel-Ansiedlung in Magdeburg geht, um deren sogenannte weiche Standortfaktoren.
Es ist ein extrem spannendes Thema, was da entsteht. Was da mit dem Standort Magdeburg passiert. Die Stadt wird prosperieren. Da muss man dann sicher schauen, wie man den SC Magdeburg positioniert. Wie er dazu beitragen kann, wenn es darum geht, den Standort Magdeburg weiter aufzuwerten, zum Beispiel in der Kultur und im Sport. Das ist wichtig für eine Stadt, die internationale Kräfte ansiedelt.

Und der SCM-Handball hat bei der Aufwertung des Standortes ja durchaus etwas beizusteuern.
Richtig. Wenn es darum geht, die Stadt positiv zu bewerben, als positiv, als leistungsstark zu zeigen – was gibt es denn da im Handball Besseres als Champions League und Bundesliga! Als Region, das steht für mich fest, müssen wir diese Leuchtturmfunktion auch nutzen.

Mehr Handball im Free-TV

Während Intel noch eine Sache der Zukunft ist, sind bei der Vergabe der Handball-TV-Rechte die Würfel in den letzten Tagen gefallen. Ab der Saison 2023/24 strahlt eine vom früheren DFL-Chef Christian Seifert zusammen mit dem Springer-Konzern betriebene Plattform die Bundesliga aus. Welche Intentionen verfolgt der Handball damit?
Zunächst muss ich sagen, Sky hat in den zurückliegenden Jahren einen Super-Job gemacht. Sie haben uns dabei geholfen, in der schweren Corona-Zeit sichtbar zu bleiben. Wenn sich die Bundesliga jetzt für einen neuen Partner entschieden hat, dann nicht zuerst aus wirtschaftlichen Erwägungen. Uns geht es darum, die Darstellungs- und Verwertungsoptionen des Handballs zu erweitern, unseren Sport noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Handball soll die ganze Woche medial stattfinden und nicht nur an den Spieltagen. Außerdem soll sich die Anzahl der Spiele im Free-TV deutlich erhöhen.

Vielleicht noch ein Wort zu den Ticketpreisen. Einige Sportveranstalter langen da jetzt nach Corona erheblich zu.
Da werden wir im Großen und Ganzen auf dem Niveau der vergangenen Spielzeiten bleiben. Moderate Veränderungen sind möglich, extreme Sprünge wird es nicht geben. Anders sieht es bei einigen ausgewählten Begegnungen in der Champions League aus. Wenn Paris oder Veszprem in die Getec-Arena kommen, könnte es ein wenig teurer werden, da wir nach langen Jahren Champions League-Abstinenz mit einer entsprechenden Nachfrage rechnen.

Eine Quote bei den Dauerkarten

Wie sieht es bei den Dauerkarten aus?
Wir sind in allem, was wir derzeit machen, zu 95 Prozent ausgebucht. Das bedeutet ferner, über 4.000 Plätze der 6.600 vorhandenen sind gebucht – entweder durch Dauerkarten oder VIP-Besucher. Das während der Corona-Zeit hinter der Halle entstandene provisorische VIP-Zelt wurde jetzt durch einen stabilen Sonderbau ersetzt, das 220 Personen Platz bietet. Auch regelmäßige Fanclubtreffen sind hier geplant. Bei den Dauerkarten haben wir weiter eine Warteliste von jetzt noch 700 Ticketwünschen, viele konnten aber endlich nachrücken. Weitere Dauerkarten könnten wir natürlich sofort absetzen. Wir legen jedoch großen Wert darauf, eine bestimmte Quote an freien Ti-ckets vorzuhalten. Um auch neuen Besuchern die Möglichkeit zu geben, sich einmal ein Handballspiel beim SC Magdeburg anzusehen.

Und wie hoch ist diese Quote?
Rund ein Drittel aller Plätze geht in den freien Verkauf.

Fragen: Rudi Bartlitz

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