Freitag, Juli 1, 2022
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StadtMensch: Muskelspiele

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Elon Musk ist einer der reichsten und einflussreichsten Menschen der Welt. Davon überzeugt, geht er breitbeinig durch diese, welche er als seine betrachtet. Schließlich kann er sich alles kaufen, was er mag. Und vor allem hat er zu allem eine Meinung. Diese verbreitet er gerne über Twitter und diese Social-Media-Plattform wollte er jüngst erwerben, um sie wieder freier zu gestalten, denn sie war ihm zu unfrei geraten, weil Tweets, welche gegen gesellschaftliche Standards verstießen, eben auch mal gelöscht wurden. Und der Account von Donald Trump wurde sogar ganz gesperrt. Das wollte Musk rückgängig machen. Denn aus dem scheinbar liberalen Unternehmer entwickelte sich in der letzten Zeit ein rechtskonservativer Republikaner. Musk erinnert an eine Zwiebel, welche immer neue Schalen offenbart, unter denen er immer wieder anders auszusehen scheint. Auch der Twitterkauf könnte eine Finte sein, denn kaum schienen die Verträge abgeschlossen zu sein, stellte er die offiziellen Nutzerzahlen infrage und äußerte sich eher geringschätzig über das Unternehmen. Vielleicht wollte er damit auch nur den Preis drücken, den er zu entrichten hatte. Ganz sicher kann man sich da bei ihm nie sein.

Musk ist eine merkwürdige Figur, die alles dafür tut, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden und zu polarisieren. Denn nimmermüde streut er seine Ideen in die Welt hinein. Dabei können sich Standpunkte auch mal rasch ändern, weil sie dann besser zu neuen und manchmal auch obskuren Thesen passen. Auf der anderen Seite hilft er aber auch der Ukraine, indem er dort über seinen Satelliten ein hervorragend funktionierendes Internet zur Verfügung stellt, nachdem Russland versucht hatte, diese digitale Infrastruktur zu zerstören. Nebenbei hatte er eine Affäre mit der notorischen Amber Heard oder versucht, Raketen zu starten und Weltraumflüge anzubieten. Er strahlt diese Art toxischer Männlichkeit aus, welche auch leicht beleidigt ist, wenn der Anteil Musks an Innovationen seiner Meinung nach nicht ausreichend gewürdigt wird.

So deklariert er sich gerne zum Selfmade-Millionär, welcher nur durch harte Arbeit und geschickte Investitionen da gelandet ist, wo er sich heute befindet. In seiner Autofirma TESLA hat scheinbar er die Fahrzeuge entwickelt. Jedenfalls klingt er gerne so. Dass er aus einem reichen Familienhaus kommt, sein Vater besaß eine Diamantenmine und war eben nicht nur ein einfacher Bergbauingenieur, unterschlägt er gerne oder redet es klein. Denn die Geschichte des sozialen Aufstiegs nur durch harte Arbeit klingt einfach besser als die banale Realität, die sich diesem Narrativ entzieht. TESLA gab es schon, bevor er dort einstieg, entwickelt hat er nichts, aber sich als einen der Gründer feiern lassen, der er wahrhaftig nicht ist. Seine vollmundigen Ankündigungen entsprechen meistens ebenfalls nicht der Realität. Aber er verkündet gerne als Erster, auch wenn es ehrlicherweise noch nichts zu verkünden gibt. So wirkt er immer vorneweg und innovativer als viele andere, die redlicher mit der Wahrheit umgehen. Das lässt ihn nicht sympathisch erscheinen, aber das ist und war vermutlich auch nie sein Ziel.

Er hatte immer eine gute Nase für erfolgreiche Projekte, die andere entwickelt hatten und auf welche er aufsatteln konnte. Paypal war genau so ein Fall, er kaufte sich dort ein und als er verkaufte, machte er satte Gewinne. Er warb für Kryptowährungen, die dadurch verstärkt nachgefragt wurden und nach diversen Pleiten viele Menschen in finanzielle Probleme brachten. Er selber erlitt dort keine oder nur sehr kleine Verluste, weil er sich eben nicht so intensiv beteiligte, wie es nach außen wirkte. Denn klug war er bei seinen Engagements immer. Und der Rest der Welt war ihm eben egal. Als er bei TESLA einstieg, war er schnell beleidigt und nahm es der Presse übel, dass er anfangs nicht als Gründer wahrgenommen wurde. Heute entsteht der Eindruck, dass er TESLA ganz alleine ist. Künstliche Intelligenz hasst er, die Coronapolitik hielt er für faschistisch. Wie man im Englischen so schön sagt: „Thinking outside the Box“, das wird bei ihm immer mehr zum Querdenken. Jüngst sprach er sich massiv gegen Home-Office aus und erklärte, wer nicht 40 Stunden bei ihm in der Firma im Büro arbeiten würde, könne sich als entlassen betrachten. Vielleicht geht ihm langsam der „Midas-Touch“ verloren und nicht mehr alles, was er anfasst, wird zu Gold. Denn sein Unternehmertum ist aus der Zeit gefallen. Er hat auch einmal gesagt, dass er öffentlichen Personennahverkehr hasst, weil dort zu viele Menschen gleichzeitig unterwegs seien. Das klingt so elitär abgehoben, wie es auch ist. Und zukunftsfähig ist das nicht. Elektromobilität bedeutet eben nicht, den Benziner durch einen Stromer zu ersetzen, sondern Verkehr völlig neu zu denken. Und 40 Stunden im Büro wird ihm keine jungen Fachkräfte bringen, welche gerade seine Unternehmen so dringend brauchen. Qualifizierte junge Menschen haben da ganz andere Anforderungen.

Es reicht eben nicht aus, sich als Innovator zu inszenieren, irgendwann muss man es auch sein. Und wenn man das eigentlich nicht leisten kann, dann wird man gerne auch politisch reaktionär, eben zum Parteigänger Trumps, der darin ein Meister war, vollmundig anzukündigen, nicht zu liefern und andere dafür zu beschuldigen. Das erinnert auch ein wenig an Putin. Musk ist am Ende eben doch nur ein Oligarch, der den großen Mangel an Innovation und nachhaltigem Wirken durch Geschwätz übertönt. Im Theater sind das die sogenannten Kantinenschauspieler, die in ebendieser stets überzeugen, auf der großen Bühne aber regelmäßig versagen.

Lars Johansen

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