Sonntag, Juli 3, 2022
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Standpunkt Breiter Weg

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Thüringen und Hamburg liegen weit auseinander. Man müsste auf dem Landweg durch Sachsen-Anhalt und Niedersachsen reisen, um einen Eindruck über Wähler-Unterschiede bei der politischen Verteilung in den Landesparlamenten erkennen zu können. Die Führungen von SPD und Grünen frohlocken nach ihrem guten Abschneiden zur Bürgerschaftswahl in der Hansestadt. Doch eine Stadtstadt schreibt andere Gesetze als ein Flächenland. Insofern liegen eben zwischen Thüringen und Hamburg Welten. Bereits seit einiger Zeit wird auf die Drift in den Entwicklungen zwischen ländlichen und Stadtregionen verwiesen. Das Leben wird heute eher aus intellektuellen Sphären der Stadtgesellschaft bewertet und weniger aus den Weiten kleiner dörflicher Milieus. Entsprechend fallen heute politische Initiativen aus, die außerhalb ihrer intellektuellen Entstehungskreise manches Kopfschütteln erzeugen können. Darüber wird selten öffentlich geredet. Und genau deshalb helfen weder Siegesfeiern für die Bestätigung politischer Macht noch eine Dämonisierung anderer Parteien von links oder rechts. Die Befindlichkeiten in den Ebenen sind es, die Wähler einen bunten Farbenkreis anrühren lassen. Die Marginalisierung von SPD und CDU sind nicht abgeschlossen, egal, wie sehr man in Parteizentralen beteuerte, sich den Problemen von Bürgern widmen zu wollen. Von links heißt es heute, man sei in der Mitte. Die CDU sucht dieselbe bei den Wählern, die sich abgewandt haben. Wenn man von links die Mitte bediente, müsste man ehrlicherweise den Namen wechseln. Alles andere wäre ein Etikettenschwindel. Weil eine wie auch immer geartete Mitte eben nicht auszumachen ist, wird die Suche von CDU und SPD nicht von Erfolg getragen sein. Politik für viele machen zu wollen oder es zumindest versprechen zu können, reicht heute nicht mehr. Die Gesellschaft teilt sich nicht mehr in drei politische Lager, genauso wenig wie in zwei Geschlechter. Aus Landtagswahlen Megatrends künftiger politischer Mehrheitsverhältnisse ableiten zu wollen, ist genauso als ließe man sich auf dem Rummel von einer Wahrsagerin die Karten legen. Deshalb erscheinen uns Wählern die Stimmen an einem Wahlabend und in den folgenden Tagen so oft absurd, weil sie eher Ausdruck von politischer Autosuggestion sind als Problemanalyse, geschweige denn Angebote zur Lösung böten. Hamburg ist kein Beleg dafür, dass die SPD noch Volkspartei ist oder Die Grünen eine neue wären. Die Hansestadt ist ein Indiz dafür, wie sich die Sichtweisen im städtischen Milieu ähneln. 2021, wenn mehrere Landtagswahlen und die zum Bundestag anstehen, wird das jüngste Hamburg-Ergebnis bei Wählern keine Rolle mehr spielen | Thomas Wischnewski

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