Donnerstag, Januar 20, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: 2022 muss anders werden

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Wir sind alle mit Corona infiziert. Nicht nur die, die positiv getestet wurden. Es existiert kein Lebensbereich, der nicht betroffen ist. Und da sehe ich nicht nur solche Menschen, die lebensgefährlich erkranken oder gar an den Folgen sterben müssen. Es gibt auch Nutznießer, Leute, die sich eingerichtet haben und die Zeit gar genießen. Doch die meisten erfahren Einschränkungen, wirtschaftliche Niederschläge und existenzielle Schieflagen.

Mittlerweile hauen sich zwei Lager gegenseitig die Menschenwürde um die Ohren. Die einen, die in Impfablehnern ausschließlich Feinde der Menschlichkeit erkennen wollen und die Gegenseite, die im Impfzwang und Maßnahmen-wirrwarr Würde und Freiheit verletzt sehen. Beide Seiten kommen mit Schuld-Losungen. Eine Virusinfektion kann man nicht unter Strafrechtsniveau subsummieren. Impfdruck nicht mit Nazi-Vergleichen belegen. Die Atmosphäre ist giftig, und zwar über allen Lagern. Die Würde des Menschen ist unantastbar – dieser Anspruch des Grundgesetzes ist nicht mit Rechthaberei hierseits und jenseits aushandelbar. Weder gibt man seine Würde am Krankenlager ab, noch wenn man nicht mit allen verordneten Maßnahmen einverstanden ist.

Es wäre eigentlich an allen Politikern, die Würde aller hochzuhalten, indem sowohl die Gesundheitsgefahren benannt werden als auch Verständnis für den Würdeverlust bei Menschen zu zeigen, die Aussperrungen erleben. Dass Impfen ein Mittel des Schutzes sein kann, ist zweifelsfrei. Aber dadurch ist es noch nicht geheiligt, denn das Virus wird mit neuen Varianten dazwischen funken. Die nun diskutierte Omikron-Mutante war wahrscheinlich schon Ende 2020 da. Der Natur kann man nicht mit politischen Mitteln Paroli bieten. Menschen müssen ihre Leben politisch aushandeln. Umso wichtiger ist es, in dieser sich weiter zuspitzenden Lage, nicht mit angeblich wissenschaftlicher Wahrheit als Totschlagargument zu drohen. Die Forschung ist mit Coronaviren noch lange nicht fertig und wird es nicht so schnell. Womit wir endlich fertig werden müssen, ist es, ständig die Angstkeule zu schwingen.
Wenn ich auf die vergangenen 20 Jahre blicke, waren Angst-Argumente stets die Infektion am gesellschaftlichen Klima. Das fing mit dem Euro an, setzte sich mit Wirtschaftsuntergangsszenarien fort, bestimmte das Migrationsgeschehen seit 2015, mündete in Klimakatastrophe und setzt sich nun in Viren-Todesangst fort. Politisch kam als erste Reaktion immer Beschwichtigung. Die blieb meistens hilflos. Es folgten Gegnerbenennung und Kampfkampagnen. Und erst ein neues Angstthema übertünchte das alte. Wenn diese Spirale weitergedreht wird, macht mir das wirklich Angst. Wo sind die politischen Visionen für die Würde aller Menschen in diesem Land? Wir brauchen Beistand für Schwache, für Gesundheitsgefährdete, für existenziell Bedrohte, für Kinder und deren Chancen, Verständnis für Angsthasen, Motivation für Leistungswillige und Anreize für Benachteiligte. Das Leben hat mehr Seiten als gute und böse. 2022 muss anders werden. | Thomas Wischnewski

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