Dienstag, November 29, 2022

Standpunkt Breiter Weg

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Floskeln und Politik-Nebel

Die Floskelkultur ist eine allgegenwärtige, politische Größe. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte schon die für jeden Einsatz treffenden Phrasen bis zur Perfektion von Inhalt bereit. „Gemeinsam nach Lösungen suchen“, „Wir müssen jetzt zusammenstehen“ … etc. Die Ampelkoalition unter Olaf Scholz macht genau da weiter. Bei seiner Reise nach Katar sagt der Kanzler, dass es um „vielfältige Quellen“ und eine „langfristige Weiterentwicklung“ gehe. 

Hierzulande werden die Scheichs und ihr weit von der Demokratie entfernter Staat kritisiert. Wenn es gegen den Autokraten Putin geht, sind die königlichen Vertreter arabischer Monarchien plötzlich eine unsere Energie-Diversität bereichernde Kaste. Erst Gasumlage, jetzt Gaspreisbremse.  Die Regierung in Berlin zeigt unter den multiplen Krisen selbst Krisenbild. „Es ist jetzt kein Scheiß, den ich erzähle: Die Leute werden krank. Die haben Burn-out, die kriegen Tinnitus. Die können nicht mehr.“ So beschrieb Wirtschaftsminister Habeck den Zustand seines Personals. Da wächst in mir als Bürger kein Vertrauen gegenüber der Handlungsfähigkeit der Regierung. Auch über das in 2023 kommende Bürgergeld, das HARTZ-IV-Hilfen ersetzen soll, wird vollmundig geredet. Aber fragen sie mal im Ministerium oder im Jobcenter nach, wie viele Menschen berechtigt sein werden, das Bürgergeld zu beantragen. Sie werden keine Antwort erhalten. Es weiß niemand. Also wissen wir auch nicht, welche finanziellen Belastungen auf das Staatswesen Deutschland zukommen werden. Da hilft nicht einmal das permanente Geschwafel des Bundesfinanzministers Lindner, der für die Schuldenbremse wie das Amen in der Kirche herbetet.

Die Welt ist aus den Fugen. Kriege, Hunger, Klimawandel, Weltbevölkerungswachstum, Lebensraumvernichtung usw.  Auf manche negative Entwicklung haben wir weniger Einfluss, als wir glauben oder man uns weismachen will. Wenn nur die Floskelitis von oben so weitergeht, erstickt darunter jedwede Rationalität und die Möglichkeit, vernünftig zu handeln. Glauben, Ideologie, Theorie und die unzählbare Verbreitung von Überzeugungen dazu, haben einen Nebel erzeugt, der mehr und mehr für Verirrung sorgt. Und dann schüttet man von oben noch Kategorien über Menschen aus, für deren Orientierungslosigkeit man selbst verantwortlich ist. Im Durcheinander für eine „langfristige Entwicklung“ „zusammenstehen“ – so könnte eine Sprechblase der Jetztzeit heißen. Im Zeitalter der verkürzten Digitalinformationen über Twitter & Co. ist die Inhaltsleere expandiert. Wenn in Berlin ähnlich wie in einem entrückten Wolkenkuckucksheim Politik gemacht wird, wird der Lebensnebel für viele Menschen noch undurchschaubarer werden.

Thomas Wischnewski, Seite 2, Kompakt Zeitung Nr. 218

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