Freitag, Dezember 2, 2022

Standpunkt Breiter Weg: 9 Euro bieten viele Chancen

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Nun ist es endlich da: Das 9-Euro-Monatsticket für Busse und Bahnen. Vom 1. Juni bis zum 31. August können wir für den Schnäppchenpreis auf allen Nahverkehrsverbindungen quer durch die Republik reisen. Der Bundestag will mit der außergewöhnlichen Aktion Bürger-Entlastungen im Berufsverkehr schaffen. Das Ticket ist auch deshalb eine gute Idee, weil Preisverbilligungen im ÖPNV seit vielen Jahren Dauerforderungen sind. Jetzt können Erfahrungen dazu eingefahren werden. Steigen wegen des Preises wirklich viele Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel um?

Mit einem Run auf die günstigen Monatskarten wird jedenfalls gerechnet. Für Schüler, Studenten, Senioren und zahlreiche Arbeitnehmer ist die kleine Pauschale tatsächlich eine gute Sache, in der bevorstehenden Sommer- und Ferienzeit ohnehin. Nun darf man gespannt sein, ob der Preis Gewohnheit und Bequemlichkeit schlägt. Die hohen Beträge für Monatskarten und Einzelfahrten hielten in der Vergangenheit stets als Argument her, dass zu wenige Menschen auf ÖPNV-Angebote umsteigen würden.

Die Kehrseite des 9-Euro-Tickets wird man kaum in der Stadt, sondern im ländlichen Raum beobachten können. Wenn dort kleine Ortschaften ohnehin nur zweimal am Tag vom Bus angefahren werden, spielt der Preis weniger eine Rolle als überhaupt von A nach B zu kommen.

Dennoch: Sollte man nach drei Monaten eine Revolution im Nutzungsverhalten erlebt haben, muss die Politik über eine andere Subventionierung des ÖPNV nachdenken. Fast alle reden davon, dass vernetzte Mobilitätskonzepte die Zukunft sein sollen. Dann muss das auch angepackt werden.

In der Landeshauptstadt gibt es endlich die Straßenbahnverbindung vom Südring nach Buckau. Eine neue Linie wird in den Norden führen. Und die Intel-Ansiedlung setzt ÖPNV-Planer zur Anbindung von Ottersleben bis zum Eulenberg noch mehr unter Druck. In Sachen Netz wird sich in der Landeshauptstadt ohnehin einiges verändern müssen. Auch bei den Radwegen gibt es jede Menge Potenziale, für den Ausbau der Strecken und den Zustand der Wege.

Verschwindet das 9-Euro-Ticket ab September einfach in der Versenkung, ohne weitere Diskussionen – dann war die Idee aus dem politischen Berlin doch nur wieder Makulatur und Aktionismus. Milliarden für die Bundeswehr sind offenbar kein Problem, sogar ein zeitweiliges Abschalten der Wirtschaft kann in Pandemiezeiten überbrückt werden. Klimaschutz-Anstrengungen werden täglich gepredigt, die Abhängigkeit vom russischen Öl soll überwunden werden – davon kann man täglich hören und lesen. Ein preiswerter und gut vernetzter ÖPNV könnte einen echten Beitrag leisten. Ich hoffe, die Chance verschwindet am Ende nicht im Sommerloch.

Thomas Wischnewski

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