Dienstag, Juli 5, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: Corona – und sonst nichts?

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Derzeit sind in Deutschland 91.714 Corona-infizierte Menschen bekannt, es gibt mehr als 1.342 Todesfälle und 28.700 Genesungen (Stand 5. April). In Sachsen-Anhalt ist die Rede von 919 Infizierten und 12 Todesfällen. Alles natürlich relativ, denn nicht alle Kranken werden getestet, nicht alle Infizierten zeigen Symptome, vielleicht sind längst mehr genesen als bekannt und manche Menschen wären vielleicht – bei aller Trauer – auch ohne Corona gestorben. Ich möchte die Situation nicht kleinreden, zumal selbst seit Lungenentzündung zur sogenannten Risikogruppe gehörend. Natürlich mache auch ich mir Gedanken, treffe die empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen, arbeite vorrangig im Homeoffice. Aber es muss die Frage erlaubt sein, ob es außer Covid-19 weltweit kein anderes Thema gibt?

Nehmen wir die Gesundheit. Hier beschäftigt uns alljährlich zu dieser Zeit die Influenza. Jetzt ist die Grippewelle keine Meldung wert. Sie fällt auch wesentlich glimpflicher aus als noch 2018 mit damals 28.000 Verstorbenen. Wohl wegen der heute extremeren Hand- und Hust-Hygiene. Warum hatten wir das nicht vorher? Vieles könnte sich vermeiden lassen. Laut Statistischem Bundesamt sterben durch die Auswirkungen vom Rauchen 110.000 Menschen pro Jahr, das sind 340 Nikotin-Tote jeden Tag. Bundesweit versterben 235.700 Menschen aufgrund von Krebs und anderen Neubildungen – das sind täglich 647 Menschen. Letztlich ein Blick auf die Straßen: Nach ADAC-Angaben gab es im vorigen Jahr 3.059 Verkehrstote, rund 8 täglich. Oder schauen wir international: Alle drei Sekunden stirbt weltweit ein Mensch an Hunger. In Indonesien steigt die Zahl der vergewaltigten Kinder, informiert das Frauennetzwerk – eine Meldung, die wie andere im medialen Nirvana verschwindet. Für Kriege gilt auch in Corona-Zeiten kein Mindestabstand. Informationen – selbst wenn man sie direkt sucht – wie zu Deutschlands Waffenexporten, sind schwer bis gar nicht zu finden.

Regional gesehen: Im vorigen Jahr wurde häufig von Ekelfunden in Lebensmitteln berichtet. Nicht dass ich mich danach sehnen würde. Bleiben sie unbemerkt? Der Kampf gegen Verpackungsmüll ist dem um Einweghandschuhe gewichen. Die übrigens nicht selten auf den Straßen liegen – Umwelt egal? Noch vor kurzem gab es Aufregung um erhöhte Preise von Lebensmitteln und Mieten. Davon kein Wort mehr. Wie steht es um den Lehrermangel, der durch Corona-Hausarrest lediglich pausiert? Von der angestiegenen Erhöhung der GEZ-Gebühren mal ganz zu schweigen. Lieber laut Corona rufen als, dass noch irgend ein anderes heikles Thema in die Öffentlichkeit kommt. Kein Wunder, dass das den Nährboden für Verschwörungstheorien bildet.

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