Mittwoch, September 28, 2022
Anzeige

Standpunkt Breiter Weg: Corona vernebelt vieles

Anzeige

Folge uns

Die tägliche Dominanz der Corona-Debatte verstellt den Blick auf andere wichtige Themen. Durch die Gesellschaft ziehen sich längst neue Risse. Die Bildungschancen für Kinder verschlechtern, insbesondere bei solchen, die ohnehin Förderung benötigen. Soziale Schieflagen entstehen vor allem dort, wo Einschränkungen verordnet sind. Kultur, Gastronomie, stationäre Handel, Veranstalter etc. – viele Beschäftigte sind mürbe und müde. Ministerpräsident Reiner Haseloff appelliert, die Verunsicherung nicht mit noch mehr verwirrenden Maßnahmen zu schüren.
Dass Menschen in dieser Situation auf die Straße gehen und ihrem Unmut eine Stimme geben wollen, ist nicht verwerflich. Dass unter den Leuten auch komische oder gar gefährliche Ansichten mitspazieren, soll nicht verharmlost sein. Deshalb alle kritischen Stimmen durch polizeiliche Allgemein Verfügungen zu kriminalisieren, sie zu registrieren und dann mit Ordnungsstrafverfahren zu bedrohen, halte ich für ein falsches, gefährliches Signal. Die Menschen wegen ihrer Angst von der Straße fernzuhalten – diese politisch initiierte und polizeilich umgesetzte Strategie ist aufgegangen –, daher die Ablehnung in den Köpfen bleibt bzw. verfestigt sich. Im Übrigen gibt es selbst unter Magdeburger Polizisten manche, die über die von der Führungsetage angeordnete Rigorosität beim Vorgehen gegen Demonstrationen erschrocken sind. Das ist keine gute Entwicklung.

Parallel zum teils eingeschränkten Leben verteuern sich dessen Kosten, beim Strom, beim Heizen, bei den Lebensmitteln – überall. Während Virus und Pandemiemaßnahmen nicht alle treffen, werden es Inflation und Preisspirale auf jeden Fall.

2022 verspricht noch nicht so viel Gutes. Für Magdeburg vielleicht den Aufstieg des 1. FCM in die 2. Liga. Aber der Haushalt hat große Löcher. Unter diesen Vorzeichen bewerben sich aktuell fünf Kandidaten für die Nachfolge von Dr. Lutz Trümper. Am 24. April ist OB-Wahl und spätestens am 1. Juli tritt ein neues Stadtoberhaupt das Amt im Rathaus an. Egal, wer das Zepter dann führt, mit einem Spaziergang lassen sich Aufgaben und Verantwortungen der kommenden sieben Jahre nicht vergleichen. Wahrscheinlich werden Pragmatismus, klare Entscheidungen und sichere Zielvorgaben nötig sein. Dafür braucht es Kompetenz, Erfahrung und Durchsetzungsvermögen. Welche Frau und welcher Mann das am besten verkörpert, müssen die Bewerber im Wahlkampf unter Beweis stellen. Es bleibt zu hoffen, dass die für die Landeshauptstadt wichtige Personalentscheidung durch die Bürgerschaft nicht unter dem täglichen Corona-Getöse untergeht. OB Lutz Trümper hat die Stadt in den vergangenen zwei Jahren mit Pragmatismus und nachvollziehbaren Entscheidungen unter den Corona-Verordnungen zu steuern vermocht. Und manche Berliner Vorgabe begleitete er mit angemessener, sachlicher Kritik. So eine Amtsführung in solchen Situationen wäre auch in Zukunft wünschenswert. Ich traue das allerdings nicht allen Kandidaten zu. | Thomas Wischnewski

WEITERE
Magdeburg
Leichter Regen
11.7 ° C
11.7 °
11.7 °
80 %
2kmh
100 %
Mi
12 °
Do
15 °
Fr
16 °
Sa
13 °
So
15 °

E-Paper