Freitag, Juli 1, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: Das Leben wird komplizierter

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Jetzt ist die Zeit für Open-Air-Konzerte, Sommertheater, Urlaubsreisen, Ausflüge und Freizeitaktivitäten. Die Kulturangebote in der Region schäumen gerade über. In den vergangenen zwei Jahren verschobene Aufführungen und Konzerte sollen jetzt vielfach nachgeholt werden. Gleichzeitig versuchen Veranstalter und Kulturakteure, wieder Leben in ihre Einrichtungen zu bringen. Doch inzwischen sind manche ernüchtert.

Die nächsten Wochen sind an Programmvielfalt gegenüber der Vergangenheit kaum zu übertreffen. Da fällt sicher die Auswahl schwer. Allerdings buhlen die zahlreichen Kultur-Konsum-Möglichkeiten nicht unbedingt um eine gestiegene Anzahl an Interessenten. Zumal außerdem einige nach wie vor die Öffentlichkeit mit Menschenansammlungen aus Angst vor einer Corona-Infektion meiden.

Und ein dritter Effekt trifft die Kulturszene ins Mark: Steigende Preise und Lebenshaltungskosten zwingen zum Sparen oder zumindest werden die Ausgaben für Freizeitaktivitäten reduziert. Aus dem Umland scheuen manche wegen der Kraftstoffpreise die Anreise mit dem Pkw. Egal, was die Bundesregierung auch für finanzielle Entlastungsideen fabriziert, der Inflation und allgemeinen Preisentwicklung wird damit kein Paroli geboten. Und längst macht sich eine fatale Stimmung breit – nämlich, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Neben den Ukraine-Kriegs- und Sanktionseffekten sowie den weltweiten Lieferkettenengpässen greifen vielfach logische Preiseffekte, die eben auch aus der politischen Steuerung für Corona-Hilfen resultieren. Flankiert und angetrieben wird die Entwicklung außerdem durch die politisch gesetzte Energiebepreisung sowie die Abgaben zur Kohlendioxidemission.

Wer immer noch glaubt, man kann eine so hochkomplex organisierte Gesellschaft mit ihren globalen Verflechtungen wie die unsrige mit ein paar Stellschraubendrehungen auf einen neuen Kurs bringen, darf eher als naiv bezeichnet werden. Das Dilemma in der Politik ist dabei auch, dass vielfach der Eindruck vermittelt wird, man wisse dort in allen Details wirtschaftlicher, sozialer oder finanzieller Belange Bescheid und würde alles zum Guten der Gesellschaft richten. Die Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität nimmt dadurch weiter zu. Mal schnell 100 Milliarden Euro Schulden für die Rüstung aufzunehmen, löst noch keine über Jahrzehnte ignorierte Probleme bei der Bundeswehr. Die Kultur und andere Wirtschaftsbereiche mit Finanzspritzen während der Lockdowns künstlich über Wasser zu halten, löst keine der heutigen Folgeprobleme. Derzeit ist nicht zu erkennen, dass wir aus der Spirale eines Krisen-Aktionismus herauskommen. Dies wird uns allen das Leben weiter verkomplizieren und teurer machen.

Thomas Wischnewski

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