Samstag, August 13, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: Die Pflicht entzweit

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Die Datenlage über die Impfungen ist unübersichtlich. Das räumen mittlerweile verantwortliche Politiker ein. Überhaupt läuft die Argumentation über das Für und Wider der Pandemie-Maßnahmen aus dem Ruder. Vertrauen hat die Politik vor allem dadurch verspielt, dass sie Ankündigungen und Versprechen gemacht hat, die sich nicht halten ließen. Es zeigt sich außerdem, dass sich Menschen nicht ausschließlich mit statistischen Erhebungen regieren lassen. Die Welt der Zahlen kann das Leben nicht ausdrücken.

Derzeit schwebt noch das Damoklesschwert einer Impfpflicht über dem Land. Eine Mehrheit soll dafür sein, aber von Woche zu Woche gehen in Deutschland inzwischen Tausende auf die Straße und demonstrieren ihre Ablehnung. Ich bin dagegen, diese Menschen mit verengenden Begriffen zu belegen. Und sie „spazieren“ nicht auf den Straßen, weil sie ursprünglich von Rechten „verführt“ sind. Die Motive speisen sich aus vielen Quellen. So einfach, wie sich Corona-Viren nicht einfach wegimpfen lassen, kann man auch nicht jeden Einwand ignorieren. Gesundheitsschutz von Risikogruppen und das Funktionieren des Gesundheitssystems, insbesondere der Intensivstationen, war stets Prämisse, unter der Verordnungen erlassen wurden. Inzwischen sind mir Ärzte bekannt, z. B. eine Chefärztin aus Hessen, die vom Dienst suspendiert wurde – übrigens mit der Androhung ohne Lohnfortzahlung –, weil sie gegen eine Impfung ist. Dieses Prozedere droht weiteren medizinischen Mitarbeitern und Pflegepersonal im Falle einer Impfpflicht.

Bei angeblich ohnehin überlasteten Fachstationen muss da die Fragen heute lauten, was gefährdet die Aufrechterhaltung der medizinischen Notfallversorgung eher, das Virus oder möglicherweise die Impfpflicht? Offenbar hat das der Bundeskanzler Olaf Scholz erkannt. Jedenfalls wird das Thema nun zurückhaltender angegangen. Vom Tisch ist es nicht. Fakt ist, es wird nach wie vor keine schlichten Antworten auf die Fragen zur Natur des Virus oder über die Angemessenheit von Maßnahmen geben. Nichts zu tun, geht aber auch nicht. Mit jeder neuen Mutation – und die gibt es gewiss – steht die Unwissenheit über Gefährlichkeit und Wirkung und über therapeutische Möglichkeiten am Anfang.

Vor zwei Jahren hätte sich niemand erträumen wollen, dass wir uns jetzt immer noch mit dem Wort Pandemie und daraus abgeleiteten Schutzmaßnahmen herumplagen müssen. Nun müssen wir. Die Gefahr einer Radikalisierung, die aktuell beschworen wird, geht nicht von einer Seite aus. Sie entwickelt sich auch unter fehlenden Antworten und verwirrenden Regeln bzw. der Zurückweisung berechtigter Fragen und Einwände. Wer auf einseitiges Konformitätsverhalten pocht, schiebt andere Menschen ins Abseits. Und dort stehen diese schlecht. Wer meint, über anderen zu stehen, muss ihnen die Hand reichen. Das gilt für Impfbefürworter gleichermaßen wie für Impfkritiker.

Thomas Wischnewski

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