Dienstag, Juli 5, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: Die Welt ins Dorf geholt

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Noch vor 15 Jahren waren die Tagesgedanken mehrheitlich im realen Umfeld. Was ist wann mit wem zu lösen? Welche Unternehmung und welche Begegnungen stehen an? Solche Fragen beschäftigten unser Leben. Heute – man muss es wohl als Folge der Vernetzung und der Informationsverbreitung durch soziale Medien sehen – kreisen die Gedanken öfter um die Zustände der Welt. Corona ist demnach das aktuellste Problem. Davor flutete der Klimawandel permanent das Bewusstsein. Tausende Migranten an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland wachsen auch gerade zu neuen politischen Konfliktbetrachtungen heran. Die Aufzählungen ließen sich fortsetzen mit kriegerischen Auseinandersetzungen, mit sozialen Unruhen und fortschreitender Ressourcenvernichtung.

Die Globalisierung zeigt ihre Schattenseiten. Warenaustausch und Welttourismus transportieren Probleme um den Erdball, obwohl sich damit auch Fortschritt und Wohlstand verbreiten. Es existieren heute internationale Kooperationen, die nach gemeinsamen Lösungen suchen bzw. sich negativen Entwicklungen entgegenstemmen. Dennoch darf sich die Sicht auf die Welt nicht nur in die Richtung eines „ewigen“ Wachstums speisen. Und vielleicht sind die sogenannten Protektionisten doch nicht nur zu verteufeln, wenn sie Inte-ressen nicht nur im Weltmaßstab sehen wollen, sondern sich auf nationale Gebilde und übersichtliche Einheiten berufen. Globales Dorf (englisch Global Village) bezeichnete Marshall McLuhan 1962 in seinem Buch „Die Gutenberg-Galaxis“ die Entwicklung der modernen Welt, die durch elektronische Vernetzungen zu einem „Dorf“ zusammenwächst.

Dass sich dies im Internetzeitalter tatsächlich erfüllt, beweisen die gegenwärtigen Probleme, um die ein jeder seine Gedanken kreisen lässt. Alles ist mit allem verwoben. Aber wie viel Einfluss hat man als Einzelner gegenüber der Kraft von Milliarden Individuen? Das erzeugt Ohnmacht und schürt eben Ängste. Die Flut der Nachrichten und ihrer exponentiellen Verbreitung erzeugt in unseren Köpfen den Schein einer Wirklichkeit und steigert das Potenzial an Problemen ins Unermessliche.

Wovon jeder tatsächlich betroffen sein wird, ertrinkt im Meer der Erscheinungen. Komm mal zurück zur Natur – das ist eine alte Forderung, die schon mein Großvater auf den Lippen trug und der war der Natur näher als alle, die ich kenne. Wie stark allein der Einfluss der Welt über den erzeugten Schein auf das unmittelbare Handeln ist, zeigt sich in phasenweisen Hamsterkäufen. Ich würde vermuten, dass sich das noch weiter ins Destruktive steigern lässt. Die ersten Unternehmen streichen die Segel, weil durch Ängste Veranstaltungen abgesagt werden. Jetzt erleben wir, wie sensibel unser Leben gestrickt ist, wenn wir die Welt in unser kleines Dorf holen.

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