Sonntag, August 14, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: Ein Amt mit Bürde

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Magdeburg sucht ein neues Stadtoberhaupt. Am 24. April ist die Bürgerschaft zum Wahlgang für das Amt eines neuen Oberbürgermeisters aufgerufen. Möglicherweise könnte an der Spitze des Rathauses zum ersten Mal auch eine Frau stehen. Die Aufgaben, die dann oder nach der Stichwahl am 8. Mai vor einer Wahlsiegerin bzw. einem Wahlsieger liegen, werden grundsätzlich neue und anspruchsvolle sein.

Seit Intel die gewaltige Inves-tition für eine Fabrik am Eulenberg verkündet hat, herrscht Aufbruchsstimmung in der Landeshauptstadt. Natürlich sind wir stolz auf diese Ansiedlung mit Tausenden neuen Arbeitsplätzen. Doch damit wird auch ein Wandel und manche infrastrukturelle Veränderung verbunden sein. Blicken wir auf die Tunnelbaustelle am Damaschkeplatz sowie auf den Brückenneubau über die Elbe, fallen uns Terminplan und Kostenexplosion vor die Füße. Mit dem Intel-Werk sollen 6.000 bis 7.000 Bauleute ab 2023 täglich zur Baustelle kommen. Über Anbindungs-Ideen wird schon orakelt. Busse, die im Minutentakt fahren, die Anbindung über eine neue Straßenbahnlinie oder gar der Bau einer S-Bahn-Trasse werden diskutiert. Straßen, Strom und Wasser müssen an den Eulenberg kommen. Im bisherigen Planungstempo wird die Aufgabe nicht zu stemmen sein. Und aus dem Rathaus ist zu vernehmen, dass die Herausforderungen mit der bestehenden Verwaltung und deren personeller Ausstattung nicht zu stemmen sein wird.

Ein neues Stadtoberhaupt wird vor allem die eigene Mannschaft überdenken müssen. Zusätzliche Kompetenz und Menschen mit Erfahrungen für schnell zu realisierende Großprojekte braucht es in diesem Prozess. Auch auf das Stadtparlament kommen Abstimmungsverfahren zu, die vielfach den Rahmen bisheriger Projekte sprengen werden. Magdeburg groß denken – das wird sicher zu einem geflügelten Wort der nahen Zukunft werden. Groß zu denken, wird jedoch nur mit zügigen und verantwortungsvollen Entscheidungen einhergehen können. Eine gescheiterte Kulturhauptstadtbewerbung ist Schnee von gestern. Die Weichen sollen jetzt in Richtung Aufbruch und Ärmel hochkrempeln gestellt werden. Hoffentlich ziehen dafür alle Fraktionen im Stadtrat sowie die verantwortlichen Leute in der Verwaltung an einem Strang. Eine der wichtigsten und sicher schwierigsten Aufgaben eines neuen Stadtoberhauptes wird es sein, diesen Arbeitsprozess auf allen Ebenen zu dynamisieren und zu moderieren. Engagement, Durchsetzungskraft und Kompetenz werden dafür gebraucht. Eine längere Amtseinarbeitungsphase wird nicht möglich sein. Wer am 24. April bzw. am 8. Mai die Wahl für sich entscheiden sollte, muss mit Amtsaufnahme ab 1. Juli sofort anpacken. Die nächsten sieben Jahren werden für die oder den künftige/n OB eine Amtszeit mit großer Bürde sein. Für alle Magdeburger ist eine spannende Phase mit neuen Baustellen und vielen Herausforderungen angebrochen.

Thomas Wischnewski

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