Sonntag, August 14, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: Festliche Tragödie

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Das Jahr 2020 geht mit einem Lockdown zu Ende und ins Neue rutschen wir mit Verboten. SARS-CoV-2 hat die Welt im Griff – das könnte man meinen. Tatsächlich sind Mittel, mit denen das Virus beherrschbar gemacht werden soll, von Menschen gemachte. Nein, wir haben Covid-19 offenbar nicht im Griff. Gastronomische Einrichtungen sind seit dem 2. November dicht und die Positivtests nehmen zu. Ergo der Schluss, alles runterfahren, zu Hause bleiben, Füße stillhalten. Bei Verstößen hagelt es harte Geldstrafen.


Die Botschaft, die von den Entscheidern nicht vermittelt wird, heißt, Ihr wart nicht artig, habt Euch nicht genügend angestrengt. Eure Konzepte reichen nicht, also müssen wir Euch welche verordnen. Die weitere, nicht mitgelieferte Botschaft ist, was Euch unter allen Eindämmungen passiert, dafür können wir nicht verantwortlich sein.

Niemand soll am Corona-Virus erkranken. Dafür hält man sich an die Verordnungen. Erster Lockdown, Lockdown light, zweiter Lockdown – wie viele werden noch folgen. Inzwischen spielen sich Familientragödien ab. Streit und Zurückweisung, eine Atmosphäre der Abweisung – also das Gegenteil von weihnachtlicher Tradition. Nicht im großen Kreis der Familie und Bekannten dürfen Liebe, Zuneigung und Zusammenhalt gelebt werden. Gefühle, die man nicht leben darf, sollen auf Abstand funktionieren. Es leiden nicht die Starken und die Mutigen. Es trifft die Schwachen, die Ängstlichen – also genau solche Menschen, die Zuwendung und Unterstützung brauchen. Und wenn das oft mit der Begründung von Zeitmangel übers Jahr weniger gezeigt wurde, war es doch zu Weihnachten guter Brauch.

Mittlerweile sinkt die Hoffnung auch bei solchen Menschen, die der angespannten Pandemie-Situation mit Ideen begegneten. Auch die letzte Aktivität ist eingedampft. Da verzweifeln genau die, die mit ihrem Engagement und dem ihrer Belegschaften das gesellschaftliche Leben gestaltet haben. Handel, Gastronomie, Kunst, Kultur, Bildungs- und Begegnungsstätten – da findet man Gemeinschaft. In Verwaltungsstuben und Politikbüros wird kein gesellschaftliches Leben initiiert. Dort wird nur entschieden, wie es zu funktionieren hätte. Und jetzt sind alle Funktionen abgeschaltet. Nicht einmal die versprochenen finanziellen Hilfen funktionieren. Für viele mag es tröstlich sein, dass Festtage einen noch besinnlicheren Anstrich haben als üblich. Andere tragen verzweifelte Gesichter. Nur sieht man die kaum, wenn man auf die Bildschirme der Unterhaltungsbranche blickt. Da werden frohe Stimmung und schöne Worte geheuchelt. Wir haben keinen Krieg, keinen Hunger und wohnen warm – also jammert nicht und haltet Euch an die Regeln. Das ist die Weihnachtsbotschaft dieses Jahres, eine festliche Tragödie. Thomas Wischnewski

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