Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Standpunkt Breiter Weg: Im Bunde, die Dritte

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So langsam kommt Spannung in die Kandidatenliste für die Magdeburger Oberbürgermeisterwahl am 24. April 2022. Nach Jens Rösler von der SPD und Tobias Krull von der CDU meldete nun im Bunde, die Dritte Bürgermeisterin und Sozialbeigeordnete Simone Borris Ambitionen für eine Kandidatur an. Man könnte mutmaßen, dass der scheidende OB Lutz Trümper mit der Bürgermeister-Intronisierung von Simone Borris schon ein Signal für die parteilose Magdeburgerin gezündet hatte.

Auf jeden Fall dürfte die erfahrene Verwaltungsfrau eine ernstzunehmende Bewerberin für die beiden bereits positionierten Männer sein. Ein ehemaliger Stadtrat meinte zwar, Frau Borris würde das wirtschaftliche und personelle Fundament für den Wahlkampf fehlen. Da könne sie gegenüber der personellen Möglichkeiten der Parteien nicht bestehen. Ich halte das für eine gefährliche Unterschätzung. Aber unterschätzt zu werden, hat schon immer den vermeintlich Schwächeren genutzt.

Bei der gesellschaftlichen Entwicklung mit vielschichtiger Kritik an den großen Parteien bricht die Wählergunst auf. Der aktuelle Magdeburger Stadtrat mit seinen zehn vertretenden Parteien in sieben Fraktionen ist ein Beleg dafür. Wer meint, weil Simone Borris keiner Partei angehört, dass sie deshalb keine Mehrheiten im Rat finden könnte, vergisst, dass dies in dieser Wahlperiode jedem Oberbürgermeister so geht, auch dem noch Amtsinhaber. Selbst ein SPD- oder CDU-Amtsträger könnte sich keiner parteiübergreifenden Hausmacht sicher sein. Insofern sind die ehrenamtlichen Mandatsträger im Rathaus ein Abbild gesellschaftlicher Pluralisierung. Für Simone Borris spräche nicht nur die langjährige Verwaltungserfahrung sondern ebenso, dass es Zeit für die erste Frau auf dem höchsten Posten der Stadt wäre. Überzeugen muss sie letztlich die Bürgerinnen und Bürger. Deren Stimmen entscheiden über die künftige OB-Besetzung.

Rechnet man eine Art Sehnsucht nach Wechsel, Wünsche für ein Aufbrechen bestehender personeller Verbindungen und die Hoffnung vieler für ein Zurückdrängen politischer Einflussnahme zusammen, stehen die Karten für Simone Borris gar nicht schlecht. Und das vielleicht gerade wegen keines Parteiapparates im Rücken. Sie muss sich als Mensch mit Kompetenz für das Amt bewerben, nicht mit einem Parteibuch. Für Magdeburg wäre ein Erfolg dieser Frau eine historische Zäsur. Manchmal braucht es für Auf- und Umbrüche, damit sich wirklich etwas bewegt, an der Spitze ein neues Gesicht. Dass im Hintergrund keine Parteifäden zerren, muss kein Nachteil, sondern kann ein großer Vorteil für unabhängige Sachentscheidungen sein. Der OB-Wahlkampf wird langsam bunter und spannender. Es bleibt begrüßenswert, dass weitere Interessenten ihren Hut in den Ring werfen. Nach Simone Borris erklärter Ambition zur Kandidatur hat sie ihren ersten Pluspunkt eingefahren. | Von Thomas Wischnewski

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