Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Standpunkt Breiter Weg: Keine einfachen Antworten

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Der Alltag ist gerade selten mit schönen Nachrichten gespickt. Durch sie wird deutlich, dass unser modernes Leben keine einfachen Lösungen kennt. Und schon gar keine linearen Prognosen. Die Corona-Inzidenz steigt wieder, aber leider auch zahlreiche andere Infektionen. Dies wird vor allem auf die mangelnden Kontakte während der Lockdown-Phasen zurückgeführt. Das Immunsystem braucht für eine angemessene Reaktionsfähigkeit eben ständiges Training mit Viren und Keimen. Allerdings scheint die Angst vor dem COVID-Virus geschwunden zu sein. Dafür machen andere Folgen Angst. Dass die OECD weltweit mit rund 800 Millionen auf eine gestiegene Anzahl durch Hunger bedrohter Menschen hinweist und 40 Millionen, die akut zu verhungern drohen, ist halt keine gute Nachricht als Corona-Folge.

Für die steigenden Energiepreise wird Wladimir Putin verantwortlich gemacht, obwohl der seine Gasliefermengen einhält. Die steigenden Preise für Diesel und Benzin belasten vor allem solche Menschen, die ohnehin nicht viel zum Ausgeben haben. Heizungs- und Warmwasserkosten fallen diesen Bürgern zusätzlich auf die Füße. Ein Ende der Spirale ist noch nicht absehbar. All diesen Prozessen wohnt das Potenzial für die Zuspitzung gesellschaftlicher Konflikte inne. Die noch sondierenden Parteien SPD, Grüne und FDP, die am Ende ihrer Gespräche eine „Aufbruchsregierung“ versprechen, werden Mühe haben, für die Dynamik fortschreitender Disruptionen angemessene gesetzliche oder politische Antworten zu haben. Heute kann man ein Steuerrad nicht einfach nach links oder rechts drehen und damit wieder auf Kurs kommen.

Wie abhängig die gesamte Menschheit von ihrer engmaschigen Handelslogistik abhängt, zeigen abreißende Lieferketten und Produktionsausfälle. Fehlende Halbleiter sind da nur ein Aspekt ausfallender Warenlieferungen. Mangelwirtschaft – das ist der Begriff, der heute wieder die Runde macht. DDR-Kinder wissen noch, wie sich das anfühlt, wenn Wünsche keine Erfüllung finden. Das System Planwirtschaft war ausschlaggebend, dass nie dort Bedürfnisse und Nachfragen befriedigt werden konnten, wo solche gerade aufflammten. Die große, gesellschaftliche, planwirtschaftliche Steuerung scheint heute wieder en vogue zu sein. Dass manche Menschen gern diktieren, wer, wann, wie viel erzeugen und verbrauchen darf oder wer eigentlich was benötigt, muss einer gesellschaftspolitischen Arroganz zugerechnet werden.

Offenbar brauchen wir wieder mehr dezentrale und lokale Lenkung als zunehmend zentralistische Steuerung. Die Ausweitung ordnungsrechtlicher Vorgaben vom Bund oder aus Brüssel kann der Bedürfnisvielfalt von Vielen niemals gerecht werden. Das Beste für alle ist oft schlecht für viele. Für diesen Satz gibt es genügend historische Belege. Aber Vorstellungen, es für alle irgendwie gutzumachen, haben scheinbar dennoch wieder Hochkonjunktur.

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