Standpunkt Breiter Weg: Talfahrt ins Unglück

Unter den andauernden Pandemie-Maßnahmen entsteht Unruhe und Orientierungslosigkeit. Während Befürworter der Einschränkung mit dem Gesundheitsschutz argumentieren, fliegt manchem anderen mittlerweile die Existenz um die Ohren. So einfach ist es mit den finanziellen Hilfen von Vater Staat nämlich nicht, als dass in Mitleidenschaft gezogene Unternehmen einfach die Füße stillhalten könnten – so wie es das Heldenvideo der Bundesregierung suggeriert. Und nun sieht es für Lockerungen ab Dezember auch noch schlecht aus.

folgt uns für weitere News

Wenn Bundesfinanzminister Olaf Scholz in einer TV-Show kurzerhand erklärt, dass der Staat nicht allen helfen könne, ist das für viele Soloselbständige, Unternehmer und ihre Angestellten ein Schlag ins Gesicht. Abschalten kann man jeden rigoros, aber Finanzbetten oder wirtschaftliche Beatmungsgeräte sind nicht für alle da. Leben wollen wir retten, Lebenswerke nicht. Das Land steckt in einem Entscheidungsdilemma. Es ist ähnlich, wie mit einem von Terroristen entführten Flugzeug, die damit drohen über einer Stadt abzustürzen. Welches Leben überwiegt, das der unschuldigen Passagiere und die möglichen Tausenden Toten bei einem Absturz?

Desaströs ist das Angstklima, das sich über das ganze Land gelegt hat. Davon werden selbst solche Geschäfte negativ beeinträchtigt, die ihre Läden geöffnet lassen dürfen. Online-Shopping geht vor Einkaufen im stationären Einzelhandel. Den Schaustellern, die über das gesamte Jahr kein Fest veranstalten durften und für die nun die letzte Hoffnung auf den Weihnachtsmarkt verloren ist, steht das Wasser bereits bis zum Hals.

In diesem Land wurde 2015 viel über grenzenlose Solidarität und Hilfe geredet und über das reiche Deutschland, dass Menschen in Not stets und gern problemlos helfen kann. Wo ist dieser Zusammenhalt heute? Sonntagsreden und Altruismus-Appelle, die für Unterstützung werben, sind heute selten. Alle schauen auf den Staat und die Regierung, die es schon richten würde. Aber Regierungen können für Millionen Menschen keine Gerechtigkeit garantieren. Wo sind die Forderungen für Gleichbehandlung und gegen Benachteiligung, die sonst wie Tischgebete dreimal täglich aufgesagt werden? In puncto Hilfe verhält sich die Gemeinschaft wie erstarrt. Man klagt ein wenig mit den Betroffenen, ansonsten folgt man seinem Tagwerk. Viele Schicksalsschläge und Lebensruinen werden erst 2021 sichtbar werden. Insbesondere bei solchen, die am Jahresende den Umsatz für die Flaute im Januar verdienen müssen. Diese Möglichkeiten am Jahresende sind ihnen genommen, da ist der Rutsch ins neue Jahr für viele eine Talfahrt ins Unglück. | Thomas Wischnewski

Vielleicht gefällt dir auch